Finanzschaden über Finanztipps am Beispiel CNBC

11. März 2009

Einen schönen Leckerbissen für alle mit besseren Englisch-Kenntnissen  bietet der 8,5 Minuten Videoclip des Komikers Jon Steward zum Thema, wie Massenmedien falsche Prognosen und Tipps zum Schaden der Anleger verbreiten. Jon Stweard hat hier CNBC aufs Korn genommen, das größte TV-Medium für Wirtschaftsinformationen für die breite Masse – von den NeoCons, den Neokonservativen für die Mainstreet. Und wie so oft heißt es wohl auch bei CNBC: “Wes Brot ich ess, des Lied ich sing” – übersetzt ins Medienzeitalter: Die Finanzbranche, die mich für Werbeclips bezahlt und füttert, den setze ich dafür beim Publikum ins positive Umfeld mit entsprechenden Informationen und Finanztipps.

Fazit von Stewart: Über CNBC kommt man bald zu einem Vermögen von 1 Million Dollar. Vorausgesetzt man hatte vorher 100 Millionen Dollar.

Zunächst wird Santelli, Trader und CNBC-Finanzexperte ins rechte Licht gesetzt. Santelli regt sich wild darüber auf, dass Obama einige Milliarden an Staatsknete zur Schuldenregulierung überschuldeter Hausbesitzer verwenden will. Komiker Stewart macht klar, dass Santelli als Vertreter der Finanz- und Derivatebranche mal den Mund halten sollte. Verzockte die Finanzbranche nicht gerade Billionen, für die jetzt Staat und FED mit Billionen einspringen, um die Wallstreet auf Kosten des Steuerzahlers, von Mainstreet zu retten? Wer selbst an solchen riesigen Fleischtöpfen sitzt und das ganze Finanzdebakel mitverantwortet sollte sich nicht über die “Milliarden-Brosamen” aufregen, die an einen Teil der überschuldeten Hausbesitzer gehen sollen.

Beeindruckend sind die heißen Finanztipps von CNBC, speziell von Jim Cramer. Als TV-Investorenleithammel rief dieser – gerade vier Tage vor dem Untergang von Bear Stearns – die Zuschauer auf, ja nicht aus dieser Aktie rauszugehen, da sie absolut solide sei. Oder wie solide Bank of America sei die danach um über 90% in den Keller rutschte. Und ist Bear Stearns pleite, wird auf CNBC schon wieder proklamiert, dass Lehman Brother sicher sei – bevor die Bank unterging. Oder wie Jim Cramer dem Fernseh-Publikum marktschreierisch erklärt, es höre sich zwar widersinnig an, dass man in überbewertete Anlagen investieren solle, aber es sei richtig dort zu investieren, weil die Welt eben so sei wie sie ist.

Wunderbar ist auch die Wiedergabe und Kommentierung des CNBC-Interviews mit Mr. Stanford, der mit einer 8 Milliarden Dollar-Abzocke per Ponzi-Schema gleich nach Madoff zur Top Ten Liste der weltweit größten Finanzanlagenbetrüger gehört.

VG-Wort Tantiemen für Internet-Texte auf akademie.de

26. Februar 2009

Ende Oktober 2008 erhielt ich von der VG-Wort einen Verrechnungs-Scheck über 935,00 Euro. Dabei handelte es sich um die Tantieme-Ausschüttung der VG Wort für Internet-Texte bezüglich der Abrechnungsperiode 2007. Die Ausschüttung betraf meine 38 Internet-Texte, die ich bis Ende 2007 auf akademie.de veröffentlicht hatte. Durchschnittlich wurden mir von der VG-Wort pro Beitrag auf akademie.de rund 25 Euro als Tantieme aus Urheberrechtsabgaben ausgezahlt.

VW-Wort Tantieme Scheck für Internet-Texte auf akademie.de

935 Euro als Tantieme Scheck der VW-Wort für Internet-Texte auf akademie.de

Der  Geldsegen durch VG-Wort-Tantiemen für Internet-Texte motiviert natürlich, auf akademie.de mehr Artikel zu veröffentlichen. Schließlich wird für einen veröffentlichten Beitrag nicht nur einmal eine Tantieme ausgeschüttet. Prinzipiell erhält der Autor von der VG-Wort jedes Jahr erneut eine Tantieme für einen Text, sofern dieser weiterhin veröffentlicht bleibt und die festgelegten Mindestanforderungen an Textlänge und Zugriffszahlen erreicht sind. Ein über vier Jahre hinweg publizierter Internet-Text könnte einem Autor etwa 100 Euro an Einnahmen über VG-Wort einbringen. Das stellt für viele Internet-Autoren schon ein erhebliches Zusatzeinkommen dar.

Sicherheitshalber fragte ich bei der VG-Wort nach, ob es auch in Zukunft bei den bisher angewandten Richtwerten bezüglich Mindestlänge der Texte und Mindestabrufzahlen pro Autorenbeitrag bleiben wird. Die VG Wort bestätigte mir per E-Mail, dass es recht wahrscheinlich auch weiterhin beim bisher festgelegten Mindestumfang von 1.800 Zeichen pro abrechnungsfähigem Internet-Textbeitrag bleiben wird.

Hinsichtlich der bisherigen Mindestzahl von 1.500 Seitenaufrufen pro Jahr durch Besucher aus Deutschland sind Änderungen hingegen eher wahrscheinlich. Womöglich werden hier zukünftig mehr Mindestseitenaufrufe pro Text und Jahr als bisher verlangt.

Hintergrund:

Seit der Abrechnungsperiode 2007 berücksichtigt die VG Wort erstmals auch Internet-Texte. Die Beiträge im Internet werden  über “Metis”, einem Zählpixel- und Meldeverfahren der VG Wort erfasst, bewertet und den bei der VG Wort gemeldeten Autoren zugeordnet. Das Metis-System erfordert jedoch, dass sich ein Websitebetreiber wie akademie.de bei der VG Wort anmeldet und die ihm von der VG Wort zugestellte Zählpixel-Kontingente auf der Website in vorgeschriebener Weise den Artikeln zuordnet.

Diese Zählpixel entsprechen wiederum “Privaten IDs”. Nach Ende des Jahres muss akademie.de dann die Autoren über diese Privaten IDs informieren, damit die Autoren selbst per online-Meldung  ihre Internet-Texte bei der VG Wort melden, um die Tantiemen zu erhalten. Leider haben sich offenbar die meisten Internet-Publisher vom Aufwand bei der Software-Implementierung und Verwaltung zur Teilnahme an Metis abschrecken lassen, so dass  die Autoren leer ausgehen. Das ist natürlich für Autoren von Vorteil, die auf Websites wie akademie.de publizieren, die dort von den Zusatzvergütungen aus Wahrnehmungsrechten über die VG Wort profitieren können.

Schäfer-Gümbels Zwangsanleihe für Reiche: Neue Lösung für die Finanzkrise?

22. Dezember 2008

Endlich hat einer der wenigen Finanzexperten Deutschlands gesprochen: Der hessische SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel bis vor kurzem Hinterbänkler im hessischen Landtag – ja genau der Nachfolger von Frau Ypsilanti – fordert jetzt die Zwangsanleihe für Reiche: Die Reichen – das sind für Herrn Schäfer-Gümbel alle mit mehr als 750.000 Euro Immobilien oder Geldvermögen –  werden zwangsverpflichtet, dem Staat Geld zu 2,5% Zinsen für 15 Jahre zu leihen.

Toll bei dieser Vorschlag ist auch, dass damit derzeit dringend benötigte Liquidität vom Markt genommen wird. Schließlich müssen wegen der Zwangsanleihe entweder Geldeinlagen bei Banken abgezogen oder Hypothekenkredite aufs Immobilienvermögen aufgenommen werden. Es muss ja mit irgendeinem Geld die Zwangsanleihe aufgenommen werden. Die Zwangsanleihe dürfte die sonstige Bereitschaft der Kreditvergabe bei den Banken damit entsprechend weiter reduzieren und die Finanzkrise weiter verschärfen. 

Schäfer-Gümbels Langzeitzwangsanleihen liegen bei solch einem Zinssatz nicht nur unter der langfristigen durchschnittlichen Inflationsrate,  sondern sind zusätzlich noch steuerbelastet, d.h. von der Abgeltungssteuer betroffen. Die Rechnung für den Endauszahlungsbetrag der Zwangsanleih vernichtet durch die Inflation daher einen Teil des Realvermögens der betroffenen Gruppe. Der absolute Geldbetrag steigt zwar durch die 2,5% Zinsgarantie, von der zugleich der entsprechende Abgeltungssteuerbetrag abzuziehen ist. Aber der reale Währungswert sinkt inflationsbedingt und vernichtet die beschlagnahmten Vermögenswerte bereits teilweise.

Vielleicht wird von Herrn Schäfer-Gümbel in der nächsten Legislaturperiode dann gefordert, die Zwangsanleihen durch Gesetzesbeschluss in nicht rückzahlbare Schenkungen an den Staat umzuwandeln. Man könnte natürlich auch das Immobilienvermögen aller Reichen über 750.000 Euro (natürlich nur vorübergehend) ‘zwangsbeanleihen’, also vollständig mit Hypotheken belasten, die der Immobilieneigentümer dann an den Staat weiterleiht. Wer Immobilien oder Geldvermögen sein eigen nennt wird irgendwann die Koffer packen. 

Hessens Spitzenkandidat Schäfer-Gümbel macht sich um seine Partei  als SPD-Finanz”experte” damit womöglich ähnlich “verdient”, wie es vorher Frau Ypsilanti mit ihren Wahlkampfversprechen versuchte.

Zumindest wird dadurch die SPD bei der breiten Wählerschaft unglaubwürdiger, verliert weiter Wählerstimmen in der Hessenwahl Anfang 2009. Aber für die eigene Person dürfte dieser Finanzexpertenvorschlag bei PDS und Linke durchaus Anerkennung sichern. Mit PDS /Linke-Größen zeichnete Schäfer-Gümbel ja bereits einen gemeinsamen politischen Aufruf (“… Members of Parliament: Lothar Bisky (PDS chairman, member of Brandenburg state parliament), Sahra Wagenknecht (PDS Executive member) …Thorsten Schäfer-Gümbel, SPD, MdL (member of state parliament in Hessen)..”).

Stehen in Deutschland bald wieder Schlangen vor den Läden, weil ein Kontingent Bananen ausgegeben wird? Erich H. lässt jedenfalls schon mal freundlich grüßen.

 

 

Bald Null Prozent Arbeitslosigkeit in Deutschland?

25. November 2008

Wie die FTD berichtete, sollen mit der neuesten “Gesetzesvorlage zur Neuregelung von Arbeitsmarktinstrumenten” alle Arbeitslose aus der Statistik herausgenommen werden, die zur Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt von privaten Trägern und nicht vom Arbeitsamt betreut werden.

Traditionell werden bereits Arbeitslose in Umschulung, ABM etc. aus der Statistik heraus gerechnet. Und vor ein paar Jahren wurden ab Arbeitslose ab 58 Jahren mit der Sonderregelung geködert, jährlich bis zu 17 Wochen Ferien auch außerhalb Deutschlands  machen zu können, wobei auch sonst die regelmäßige Meldepflicht bei der Arbeitsagentur entfällt. Sie mussten nur ein von der Arbeitsagentur per Prospekt beworbenes, leicht absurd anmutendes Papier unterzeichnen. Der Antragsteller erklärte, dass er bald in Rente gehen wird, wobei in der Erklärung die Arbeitsagentur dem Arbeitslosen zugleich versichert, dass er vor Eintritt ins gesetzliche Rentenalters nicht in Rente gehen muss und ihm aus seiner Erklärung keine Nachteile entstehen werden.  Mit diesem attraktiven Bonbon für Arbeitslose ab 58 Jahren konnte man dann diese Arbeitslosengeldempfänger aus der Statistik rauswerfen.

Das geplante neue Gesetz dürfte nun endlich die optimale Arbeitsmarkt-Statistik ermöglichen: Deutschland hätte in wenigen Jahren womöglich keine Arbeitslosen mehr.

Man lässt einfach 100% der Arbeitslosen von privaten Unternehmen betreuen. Dann gäbe es nach der amtlichen Statistik  in Deutschland keine Arbeitslosen mehr. Diese Privatfirmen könnten dabei 90% der Belegschaft der bisherigen Arbeitsämter übernehmen durch Anreize wie verbessertes Gehalt, Nebenleistungen und das alles mit einem Rettungsschirm des Bundes ausgestattet als Staatsbürgschaft für die Gehaltszahlungen bei den Privaten.

Oder die Beschäftigten in den Arbeitsämtern bekommen alle frei bis zum Datum ihres Renteneintritts bei vollem Gehaltsausgleich. Zusätzlich stellt man noch 100.000 Arbeitslosenbetreuer bei den Privatfirmen ein. Dann würde das Ziel der Abschaffung von Arbeitslosigkeit per gesetzlichem Statistikdekret noch schneller erreicht. Man staunt über die Kreativität der Politiker, wie sie uns mit modernsten Mitteln gesetzlich verordneter Rechenschieberkunst vom Joch der Arbeitslosigkeit befreien.

Donald Trumps 3 Milliarden-Klage gegen Deutsche Bank: Der Wolkenkratzer-Index bestätigt sich erneut.

10. November 2008

Wie ich schon im Februar 2007 im Beitrag Höchststand beim Wolkenkratzer-Index – Vorbote eines Finanzcrashes? darstellte, signalisierte der Index bereits damals klar den sich nun voll entfaltenden Finanzcrash.  Im Crash werden natürlich Immobilienkredite für neue höhere Wolkenkratzer verweigert, denn wie sonst kommt denn auch der Wolkenkratzerbau wieder zum Erliegen.

Der Turmbau zu Babel: Sprachverwirrung*) – Bibelillustration von Gustav Doré, 1865

So liegen sich nunmehr Donald (Trump) und Josef (Ackermann) in den Haaren. Donald streitet dabei um einen Hypokredit über 3 Milliarden US $, den ihm die Deutsche Bank verweigert, weil das bisherige Geschäft mit diesem zweithöchsten Kratzer Chicagos im bau nicht mehr so läuft wie geplant. Das erinnert an die letzte Weltwirtschaftskrise ab 1929. Damals gab es riesigen Leerstand und Immobilienpleiten in den neuesten schicken Wolkenkratzern Manhattans und entsprechende Bankencrashs – auch aufgrund der platzenden Hypothekenkredite für Gewerbeimmobilien.

Die Kreditverweigerung der Deutschen Bank verweist auch auf deren eigene Finanzsituation. Ackermann erklärte kürzlich, dass man das Verhältnis von Eigenkapital zum Fremdkapitalengagement auf 30 zu 1 herunterbringen wolle. Es muss also weniger als 3,3% des Fremdkapitals im Kredit- und Derivategeschäft verloren gehen und die Deutsche Bank hätte ihr gesamtes Eigenkapital verloren und wäre auch pleite. Dann heisst es im Bankenkollegium:  ”Willkommen im Club!” 

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*) Im konkreten Fall liegt offenbar eine Sprachverwirrung zwischen Kreditgeber aus Deutschland und Darlehensnehmer in USA vor. 

Weltwirtschaftskrise: Der Finanz-Tsunami und die neue Deflations-Saga

31. Oktober 2008

Es ist bizarr, wie derzeit sich alle paar Monate die Medien-, Politiker- und Investorenmeinungen um 180 Grad verdrehen: Nachdem man in der Finanzkrise bis vor kurzem Panik vor der Inflation verbreitete, kommt jetzt in den letzten Wochen das Gegenteil, also massive Deflationspanik auf. Die Mainstream-Journalisten, Politiker und Finanzexperten – die alle bis vor kurzem vor der Inflationsgefahr gewarnt hatten – blasen jetzt gemeinsam ins Horn: Die Rohstoffblase sei geplatzt und es käme jetzt Deflation, also eine negative Preisentwicklung – eine Krisenentwicklung ähnlich der 30er Jahre.

Ursache dieser Fehleinschätzungen sind meiner Meinung nach zwei Dinge: 

(1) Es ereignet sich ein massiver Rückfluss von Geldern und Krediten aus dem extrem gehebelten Hedgefondsgeschäft und Carry Trades – speziell aus Rohstoffländern, da die Banken plötzlich ihre Kreditpolitik panisch um 180 Grad zurückspulten und die Rückzahlung von Krediten für solche extrem riskanten Hebelgeschäfte einfordern. Dies hat zu fortlaufenden Zwangsverkäufen durch gehebelte Fonds und Hedggefonds geführt – gerade in den langfristig interessantesten, wegweisesten Bereichen im Rohstoff- und Währungsbereich. Diese immensen Zwangsverkäufe lösten eine sich selbst verstärkende Massenflucht aus den Investitionen speziell in den Rohstoffländern aus, wo besonders hohe Zinsen herrschten und deshalb viel in Währungen wie z.B. Austral-, Neuseeland oder Canadadollar oder brasilianischen Real als Anleihen und in die Industrie in Form von Aktien, usw. investiert wurde. Durch die forcierte Rückabwicklung solcher Investitionen krachten gerade diese Währungen geradezu zusammen, was die Massenpanik zurück in den Dollar und Yen als Carry-Trade (bzw. beim Dollar auch zusätzlich als traditionelle Währung für Kredite an Hedgefonds, etc.) nur noch verstärkte. Yen und Dollar wurden am Markt so massiv nachgefragt, dass es zu extremer Yen- und Dollaraufwertung kam, während die Rohstoffpreise und Rohstoffaktien historisch kaum nachvollziehbare Niedrigst-Bewertungen erhielten. Man bedenke, dass es garnicht zu übermäßigen Lagerbeständen von Rohstoffen gekommen ist, die einen Preisrückgang rechtfertigen können – im Gegenteil, das Ganze vollzieht sich bei knappen Beständen.

Diese Entwicklung durch die eingetretene Carry-Trade und Hedgefonds-Krise hat nun wiederum zur falschen Interpretation geführt, dass eine massive Deflation bevorstehe. Die vorherigen Sorgen um Inflation oder gar Hyperinflation und um einen extremen Dollarcrash sind plötzlich weg – wie angeblich Kopfschmerzen bei der Einnahme bestimmter beworbener Brausepillen aus der Fernsehwerbung.

Das alles ist natürlich wiederum Wasser auf die Mühlen der Politiker und Notenbanker und auch der Finanz- und anderer Branchen: Denn die angeblich kommende Deflation erlaubt es politisch, die Leitzinsen auf nahe Null zu drehen (was ansonsten als inflationär gesehen wird) und weltweit die monetären Schleusen in fast beliebigen Größenordnungen zu öffnen.

Die Illusion der Deflation führt somit schlussendlich zum echten Finanz-Tsunami, wie ihn die Welt bislang noch nicht erlebt hat: Was bei aller oberflächlichen Verwendung des Begriffs Finanz-Tsunami vergessen wird ist die Mehrstufigkeit des Tsunami als physikalischer Erscheinung:

Tsunami-Phase I: Die große Ebbe

Die seismischen Spannungen sind so groß geworden, dass es zu einem Tiefseebeben kommt, dass sich global in Form einer Riesenwelle ausbreitet. Bevor die Welle aber an den Ufern ankommt, zieht sich das Meer zunächst und plötzlich vom Ufer zurück – Wasser und Wellen verschwinden. Was dort an Fischen und Meeresgetier in Sand oder Schlick bleibt kriegt jetzt keine Luft mehr und zappelt herum. Die ahnungslosen Menschen am Strand laufen baff dem verschwundenen Meer entgegen – nichts ahnend, dass Sie hier bald selbst in der Flut ersaufen werden.

Übertragen auf die aktuelle Weltwirtschaftskrise sind wir jetzt in dieser Phase: Die extremen Finanzspannungen durch jahrzehntelang aufgebauten Ungleichgewichten erzeugen ein Erdbeben, das eine globale Welle auslöst. Als erstes erscheint das Phänomen der Ebbe am Strand. Die Mainstream-Ökonomen und Politiker, Notenbanker meinen, der Zusammenbruch, das Verschwinden von Liquidität, die Kreditknappheit – also die analog im Finanzbereich entstehende Ebbe als historisch außerordentliches Phänomen – sei der Finanz-Tsunami selbst statt die Ebbe als erste Phase zu sehen. Sie wollen gegensteuern, das Volk hat Wut im Bauch und beginnen zu fluten, um den alten Zustand zurückzuzwingen. Dieser Aktionismus leitet Phase II des Tsunamis ein.

Tsunami-Phase II: Die vernichtende Flutwelle kommt

Im geophysikalischen Tsunami erkennt man, dass sich das Wasser nur deshalb zurückzieht, weil die ankommende Riesenwelle so mächtig ist, dass Sie im Vorlauf das Wasser in sich hineinzieht und eine vorausgehende Ebbe produziert. Wenn aber erst die Flutwelle an Land aufschlägt vernichtet Sie alles, was sich vorher nicht rechtzeitig darauf eingestellt hat, was nicht ausreichend befestigt wurde oder bereits  in die Berge geflohen ist.

Angewandt auf das Verbreitung findende verwandte Bild des Finanz-Tsunamis werden durch die Fehldeutung der primären negativen Welle, der Liquiditäts- und Kreditebbe im Finanzsektor von Politikern und Notenbankern und allen anderen populistischen Akteuren in Überlebenspanik weltweit Multibillionen-Programme losgetreten, die die Springflut von Inflation und Hyperinflation überhaupt erst aktivieren. Auch das in Panik geratene Massenpublikum verlangt von den Akteuren massive Aktion. Der Bürger sieht  ja bei Stufe I des geophysikalischen Tsunamis auch zunächst nur den Rückfluss des Meeres und verlangt Eingriffe verlangt und fürchte – ohne Kenntnis über die realen Abläufe – die Riesenwelle nicht fürchtet, da sie noch nicht sichtbar wurde.

In dieser Phase kollektiver Fehldeutungen strömt das Volk geradezu herbei und legt das Geld in Staatsanleihen an, die in immer gigantischerem Ausmaß ausgegeben werden. Alle strömen hin zum Wasser wie Verdurstende in der Wüste, kaum einer möchte sich vor den virtuellen und papiernen Geldfluten in Sicherheit bringen. Reale Werte, rettende Anlagegüter wie Rohstoffe, speziell Gold und Silber als reales, wirkliches Geld sinken im Wert.

Tsunami-Phase III: Die Zerstörung durch Hyperinflation

Im Rahmen dieses bildhaft-analogen Tsunami-Szenarios wird die Flutwelle der Hyperinflation wie in der Weimarer Republik bis 1923 oder aktuell in Zimbabwe weltweit die durch nichts als durch Versprechen hyperverschuldeter Staaten gedeckten Währungen zerstören, d.h. völlig entwerten. Das Papiergeld bzw. deren digital gespiegelte Form von Ketten aus auf Massenspeichern abgebildeten Einsen und Nullen vernichtet sich selbst. Dies setzt schlussendlich alle Schulden von Staat, Industrie, Banken und Verbrauchefaktisch auf Null.

Tsunami-Phase III: Der Wiederaufbau beginnt

Aus den Trümmern des Papiergeldes entsteht nach Zwischenphasen des einfachen Warentauschs, von Ersatzwährungen (Zigarettenwährung) oder Bartergeschäften auf globaler Ebene ein neues Währungssystem – wahrscheinlich basierend auf einer Rückdeckung durch nicht beliebig vermehrbare Edelmetalle wie sich das – manchmal durch Papiergeldillusion bis zu deren Zusammenbruch unterbrochen – schon seit tausenden Jahren bewährt hat. 

Unterschiede Geo-Tsunami und Finanz-Tsunami

a) Was beim Geo-Tsunami nur Minuten dauert ereignet sich in der Abfolge beim Finanz-Tsunami eher in Jahren. Die deflationäre Illusion (Phase I) kann also noch eine Weile weiter gehen bis die Riesenwelle in Form eines Crescendos der Geldvermehrung über die reale Wirtschaft hineinbricht.

b) Beide Tsunamis sind zwar historisch seltene Ereignisse (der Tsunami im indischen Golf kam im Abstand von 300 Jahren zum letzten) und eine globale Hyperinflation nahezu aller Währungen kann es schließlich erst im neuen Zeitalter der Globalisierung geben, im Zeitalter von ungedeckten, an den US $ Dollar wie Lotsenfische an den sterbenden Hai gepeggten Währungen bei völligem Verlust des Goldstandard als monetäres Steuerungsinstrument seit 1971).

Sie werden daher von der den Tsunami erlebenden Generation aufgrund völlig fehlendem Verständnis zunächst missdeutet – im Falle des Finanz-Tsunamis auch deshalb, weil die Geschichte des Geldes und die zugehörigen ökonomischen Theorien seit Jahrzehnten fast als abgeschafft und beim Mainstream als exotisch-irrwitzig gelten. Der Finanz-Tsunami ist natürlich ein von Menschen und speziell den Eliten ganz oben in der Nahrungskette hausgemachtes Produkt und keine Naturkatastrophe.

Schlussbemerkung

Ich schwöre nicht auf das oben beschriebene Vergleichsszenario, aber ich halte es für wahrscheinlicher als die aktuellen deflationären Phantasien. Es ist auch möglich, dass durch diesen letzten Rettungsversuch, mit der die exponentielle Kreditbubble des Superkreditzyklus nun auf den Staat gezogen wird, der finale Kollaps, d.h. das Ende der systemischen Krise noch um Jahre hinausgezogen werden kann. So wie man es geschafft hat, nach dem Absturz der Tech-Bubble im Jahr 2000 durch das Aufblasen der Immobilien-Kredite über Billigstgeld, über die Generierung von über 50 Billionen Credit Default Swaps, von über 500 Billionen an US $ Derivaten, usw. um weitere sieben Jahre künstlich zu verlängern.

Es kann aber auch wegen des exponentiellen Verlaufs, eines Superspikes, der in einem Zusammenbruch endet, jetzt ganz schnell gehen. Die Zusammenhänge so komplex und das Verhalten der Markt- und Politikteilnehmer in Panikphasen geht irrational vonstatten, das eine genauere Prognose über Details kaum möglich sein wird.