Höchststand beim Wolkenkratzer-Index – Vorbote eines Finanzcrashes?
Der von Andrew Lawrence von Dresdner Leinwort Benson erfundene Wolkenkratzer-Index besagt, dass die Wirtschaft immer dann den Bach runtergeht, wenn die Zahl der Wolkenkratzerbauten übermäßig in die Höhhe schießen und die höchsten Wolkenkratzer gebaut werden. Basis für den Immobilienboom sind regelmäßig Überinvestment, Überspekulation, Kreditexpansion und extreme Erweiterung der Geldmenge. Auf die heißen Parties bei der Eröffnung der neuesten höchsten Wolkenkratzer der Welt folgt über kurz oder lang dann der Kater im Finanzcrash.
Derzeit überbieten sich jeweilige Länder mit den geplanten höchsten Wolkenkratzern der Welt. Wer einmal live selbst in Shanghai war, weiß, dass dies bereits die Hauptstadt der Wolkenkratzer ist oder wenigstens bald sein dürfte. Der Bauboom und die schiere Menge der Skyscraper ist beeindruckend. Im Vergleich dazu erscheint beispielsweise Berlin eher als Dorf in der Pampa Brandenburgs.
Einen fundierten 41-seitigen Beitrag zum Thema Skyscraper-Index bietet Mark Thornton in “Skyscrapers and Business Cycles“. Und die Börse in Shanghai überschlägt sich derzeit fast – das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) liegt dort bereits bei 35.

(Der Turmbau zu Babel in Babylonien – gemalt von Pieter Breugel dem Älteren, ca. 1525/1530 – public domain, aus Wikimedia-Commons.
Womöglich steht also wieder die nächste “Abkühlungsphase” auf der Tagesordnung. Schließlich konnte man einen wirklich schweren Crash nach dem Platzen der dot.com-Blase nur durch extreme Leitzinssenkungen, die Politik des billigen Geldes nach 2001 vermeiden. Die Kredit-, Immobilien- und Geldmengenblasen setzen sich also – abgesehen von einem Zwischeneinbruch – bis 2007 fort. Der Index-Höchststand bei den Wolkenkratzern wird daher erst jetzt erreicht.
In Bangkok kann man übrigens teilweise noch heute angerostete, nicht fertig gestellte Hochhäuser im Stadtbild erkennen. Die wurden im überhitzten Spekulationsboom der Tigerstaaten begonnen, aber nicht mehr beendet. Der Finanzcrash 1997/98 in Südostasien setzte dort auch Immobilienspekulation zwischenzeitlich ein Ende und es kam zum Baustopp. Damals war gerade der höchste Wolkenkratzer in Kuala Lumpur, der Hauptstadt von Malaysia entstanden. Zeitnah zur Fertigstellung kam dann der Asiencrash einschließlich des Crashes dortiger Währungen, was in hohem Maß auch Malaysia betraf.
In Shanghai wird gerade der höchste Wolkenkratzer der Welt, das Shanghai World Financial Center (WFC) mit 492 m noch in 2007 fertig gestellt. In 2008 ist dann Burj Dubai (arabisch ??? ????, Burdsch Dubai, dt. „Turm von Dubai“ ein Hochhaus mit 705 m, gleich 213 m höher als der WFC in Shanghai. Dubai liegt nicht allzuweit weg vom alten Babylonien, wo bereits der im alten Testament beschriebene Turmbau zu Babel schief gegangen war. Der neue Turmbau von Dubai ist gewissermaßen eine wortwörtlich geölte Finanz-Notblüte – man will um Tourismus werben und möglichst jetzt die Kurve kratzen, bevor der Ölboom durch Rückgang der Ölvorräte vorbei ist.



(”Verwirrung der Sprachen” von Gustave Dorée 1865 – zum Stichwort Turmbau zu Babel – aus Wikipedia)
Trotz eines möglichen neuen Finanzcrashes – bei dem also wahrscheinlich auch China involviert sein wird – dürfte klar sein, dass die Karten für die Zukunft trotzdem bereits neu gemischt sind. Bei dem auf einen möglichen nächsten Crash folgenden Wirtschaftsaufschwung dürfte Asien erneut eher die Nase vorn haben und die alte und neue Welt eher zurück liegen. Das merkt man auch an der weiteren Entwicklung der damals am Südostasien-Crash 1998 beteiligten “Tigerstaaten” – nach einigen Jahren Durststrecke hatte sich dort die Wirtschaft gefangen und in hohem Tempo bis heute weiter entwickelt.

Am 13. März 2007 um 17:59 Uhr
[...] 98% der Derivate sind reine Wetten. Der Umfang dieser Wetten auf Wertpapiere, Aktien, Kredite, Währungen, Immobilien und Rohstoffe hat also schon ein Vielfaches der weltweiten jährlichen Wertschöpfung erreicht. Dabei ermöglichen es Derivate, dass mit kleinem Kapitaleinsatz eine Position mit hohen Chancen und Verlustrisiken eingegangen werden. Natürlich sind hier nicht nur die Hedgefonds, sondern auch die Brokerhäuser und in Deutschland die Banken und Versicherungen mit von der Partie. Je größer der Gesamtumfang aller Wetten wird, desto kritischer wird dieser “Turmbau zu Babel“. Dabei ist völlig unklar, wie die Finanzsysteme im Krisenfall reagieren werden. Derartiges ist historisch schließlich noch nie dagewesen ist. [...]