Stifung Warentest und Riester-Rente: Den Bürger bitte nicht für dumm verkaufen!

Wenn bei Altersvorsorge-Produkten Versicherungen, Banken und deren Vertreter einer 90-jährigen Oma eine Lebensversicherung als Vorsorgeprodukt aufschwatzen, ist das noch irgendwie logisch an der Provision orientiert konsequent.

Ärgerlich wird es aber, wenn sogar bei der Stifung Warentest der Bürger bei der Altersvorsorge für dumm verkauft wird und Warentest dem Bürger suggeriert, beim Abschluss einer Riester-Rente wäre ihm wegen der staatlichen Zuschüsse hier auf jeden Fall ein Gewinn sicher. Im Beitrag vom 14.02.2006 “Staatlich geförderte Altersvorsorge Rie- Rü- Rente” schreibt Warentest:
“Angestellte, Arbeiter und Beamte können Riester-Verträge abschließen und die staatliche Förderung kassieren. Auch Selbstständige, deren Ehepartner Anspruch auf Riester-Förderung haben, erhalten einen Riester-Vertrag. Mit Zulagen und Steuerbefreiung hilft der Staat kräftig beim Sparen. Selbst wenn die Geldanlage im schlimmsten Fall keine Wertentwicklung verzeichnet, machen Sparer noch Gewinn: Sie erhalten dann zumindest die eingezahlten Beiträge plus staatlicher Zulagen zum Rentenbeginn.”

Entschuldigung, hat Warentest vielleicht vom Thema “Inflation” noch nichts gehört, die gerade beim Ergebnis von Langzeit-Kapitalanlagen einem gemein in die Suppe spucken kann? Es ist zwar richtig, dass die Anbieter von Riesterprodukten garantieren müssen, dass diese später nicht weniger wert sein dürfen, als der Wert aller geleisteten Einzahlungen. Dabei handelt es sich aber um nominale Werte in Euro – es gibt also keinen Inflationsausgleich für spätere Wertverluste durch die Entwertung der Währung durch Inflation. Folgendes Beispiel macht den Wert der angeblichen Langzeit-Garantie für die Wertbeständigkeit der Riesterrente deutlich:

Wer beispielsweise in 2007 als 27-Jähriger 1.000 EUR als Riester-Rente eingezahlt hat, erhält nach 40 Jahren als 67-Jähriger Rentner  von der Versicherung garantiert mindestens diese 1.000 Euro ausgezahlt (plus die Zulage vom Staat). Was wären diese garantierten 1.000 Euro aber in etwa im Jahr 2047 noch wert?

Nehmen wir einmal die historisch in Europa bislang übliche “normale” (offizielle) Inflationsrate von 3% an – über die inoffizielle Inflation reden wir besser ein andermal. Bei 3% Inflation pro Jahr beträgt in 40 Jahren der reale Wert der auf jeden Fall garantierten Riester-Rente für die eingezahlten 1.000 Euro gerade mal noch 304,86 Euro! Und auch die staatliche Riester-Grundzulage von 114 Euro für 2007 kann das bestimmt nicht rausreissen. Aus diesen 114 Euro sind  bei 3% Inflationsrate in 2047 nämlich gerade mal 34,75 Euro (ausgedrückt im Euro-Wert von 2007) gesetzlich garantiert.

Eigentlich hätte Warentest also schreiben müssen: “Liebe Leute, auch eure Riesterrente ist trotz Zulage keineswegs sicher. Die Kapital-Erhaltungsgarantie wird nämlich ohne Inflationsausgleich gegeben. Bei 3% angenommener Inflationsrate wären trotz gesetzlicher Kapitalgarantie bei der Riester-Rente in 40 Jahren bei 1.000 EUR Einzahlung in 2007 inklusive staatlicher Grundzulage real nur noch knapp 340 Euro (Wertmaßstab 2007) von ihrer Einzahlung wirklich garantiert.”

Bitte nicht missverstehen: Ich möchte mit dieser Kritik keineswegs sagen: Finger weg von der Riester-Rente. Aber ich halte es für verantwortlungslos, wenn Warentest die Risiken dieses Produkts einfach wegphantasiert und den Bürger einlullt. Und wenn Warentest als Stifung  vom Staat kräftig subventioniert wird, sollte daraus nicht ein “wes Brot ich ess, des Lied ich sing” werden. Eine dem Verbraucherschutz verschriebene Stiftung sollte dem Bürger auch beim Risiko eines Vorsorgeprodukts wie der Riesterrente keine Märchen erzählen.

Eine Reaktion zu “Stifung Warentest und Riester-Rente: Den Bürger bitte nicht für dumm verkaufen!”

  1. Riester-Zulagen ab 2008 und steuerliche Eigenschaften » Beitrag » Kredit und Finanzen

    [...] die meinen, dass diese Kapitalgarantie den Inflationsausgleich nicht berücksichtigt (siehe „Stiftung Warentest und Riester-Rente: Den Bürger bitte nicht für dumm verkaufen!“, doch gehen wir von den Einzahlungen (der Eigenleistung) des Sparers aus, dann werden diese [...]

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