Schulden der Börsenspekulanten erreichen neuen Rekord
Die für die Börsenspekulation aufgenommenen Schulden einen neuen Rekord erreicht haben. Nach AP erreichte die Höhe des so genannten “Margin Debt” – wie die für Börsenspekulation kurzfristig aufgenommenen Schulden genannt werden – allein an der New Yorker Börse (NYSE) 285,6 Milliarden US $. Man darf ruhig vermuten, dass dies sich an den anderen Börsenplätzen der Welt ähnlich verhält.
Beim Margin Dept erhält der Börsenspekulant von seinem Stockbroker, wo er sein Depot hat einen Kredit, dessen Volumen einen vorher vereinbarten maximalen Prozentsatz auf den Wert der an der Börse gekauften Wertpapiere, bzw. Optionen und Derivate beträgt – ähnlich, wie man auch sein Eigenheim zu einem Prozentsatz des angenommenen Marktwerts beleihen kann.
Je höher “Margin Debt”, die für die Börsenspekulation aufgenommenen Überziehungskredite werden, desto höher wird jedoch die Gefahr, dass bei sinkenden Kursen eine Verkaufslawine entsteht: Wenn die Kurse sinken statt steigen, sinkt natürlich auch der dem Börsenspekulant gewährte maximale Kredit, der sich ja auf einen prozentuellen Anteil des Wert seines sinkenden Werts an Aktien, Anleihen oder Derivate bezieht. Sinken die Werte muss der auf Kredit spekulierende Hasardeur die Papier verkaufen, weil ihm der Kredit gekürzt wird – sog. Margin Call. Das wiederum kann eine Verkaufslawine auslösen. Verkauft der Spekulant nicht, muss sein Broker seine Papiere automatisch zwangsverkaufen, um seinen Kredit zu sichern.
Das letzte Mal hatte die Kreditaufnahme für den Börsenhandel an der NYSE im März 2000 mit 278,5 US $ einen Rekord erreicht: Danach platzte die Dot.com-Blase und die Kurse fielen die nächsten Jahre ins Bodenlose. Im Oktober 2002 betrug die Kreditaufnahme als Margin Debt dann nur noch 50%.
Der neue Höchststand beim Margin Debt an der NYSE vom Januar 2007 signalisiert, dass der aktuelle Börsenzyklus ein sehr spätes Stadium erreicht hat. Das bedeutet natürlich noch nicht, dass an der nächsten Ecke jetzt gleich der nächste Crash wartet. Es kann so auch noch eine Weile weiter gehen. Die Lehre aus dem Dot.com Crash ist auch, dass die Spekulationsverrücktheit manchmal fast jede Grenze überschreitet – damals stürzte der deutsche Technologiebörsen-Index, der “Neue Markt” von fast 10.000 auf unter 300! Vom Börsenwert beim Höchststand blieben weniger als 3% übrig.
Daher sollte jedem klar sein, dass die Börse hinter der äußeren Fassade nun äußerst labil geworden ist. Dabei kann ein Börsencrash immer auch die übrige Wirtschaft mit in den Abwärtsstrudel ziehen. Bei den gerupften Spekulanten entsteht naturgemäß eine Zurückhaltung beim Konsum. Sie könnten aber auch gezwungen sein, andere Assets zur Schuldendeckung verkaufen zu müssen, wie Eigenheim.
