Richtigen Markttrend früh erkennen, investieren und dabei bleiben
Jesse Livermore war einer der größten Spekulanten aller Zeiten. Über den Börsenspekulanten erschien 1923 das Buch “Reminiscence of a Stock Operator” (”Erinnerungen eines Börsenhändlers” – Amazon) – eine romanhafte Biografie von Edwin Lefèvre. In dem von Wiley neu herausgegebenen, sehr lesenswerten Buch wird unter anderem auch das Thema behandelt, wie viele durchaus richtig einen Markt erkennt, aber die meisten mangels Festhalten an der Anlagestrategie am Markt scheitern:
“…Nachdem ich viele Jahre in Wall Street verbracht und Millionen Dollars gewonnen und verloren habe, möchte ich Ihnen eines sagen: Niemals hat mir mein Denken das große Geld gebracht. Es war immer mein Sitzen. Verstanden? Mein fest drauf sitzen bleiben. Es ist überhaupt kein großer Trick, den Markt richtig einzuschätzen. Man findet immer viele frühe Bullen-Investoren in frühen Bullen-Märkten (langfristig im Trend ansteigende Märkte, DvH) und frühe Bären-Investoren in frühen Bärenmärkten (langfristig im Trend fallende Märkte, DvH).
Ich habe viele kennen gelernt, die zum genau richtigen Zeitpunkt richtig lagen und dann Aktien kauften bzw. verkauften, als die Preise gerade das Niveau hatten, wo man den größten Gewinn erzielen konnte. Aber ihre Erfahrungen stimmten genau mit meinen überein, es gelang ihnen nämlich nicht, daraus überhaupt wirklich auch Geld zu machen.
Menschen, die sowohl die Märkte richtig erkennen und zugleich fest auf ihrer Position fest sitzen bleiben können sind ungewöhnlich (selten). Ich fand heraus, dass diese Fähigkeit unter allen Fähigkeiten am schwersten zu erlernen war. Aber nur dann, wenn er das klar begriffen hat, kann ein Börsenspekulant wirklich großes Geld verdienen.
Es ist buchstäblich wahr, dass ein Trader der weiss, wie er zu handeln hat, viel leichter zu Millionen kommt als er vorher in den Tagen seines Unwissens Hunderte verdiente.”
In anderen Worten: Viele liegen bei der Analyse der Marktentwicklung richtig. Sie handeln aber nicht rechtzeitig danach. Und selbst wenn sie zum richtigen, relativ frühen Zeitpunkt eines langfristigen Markttrends einsteigen, halten die meisten das Investment dann einfach nicht durch.
Der Markt und damit auch der individuelle Investor wird halt zumeist von Gier und Angst getrieben. Liegt der Markt endlich am Boden, dann wäre es eigentlich Zeit, hier in der ersten Phase einzusteigen. Am Tiefpunkt ist die Angst unter den Investoren aber am Größten. Es haben sich so viele die Finger verbrannt. Also entscheidet man sich gegen eine Investition, die zwar rational jetzt genau richtig wäre, aber große Angst beim Investor auslöst. Und wenn der Investor trotzdem in den Markt reingeht, bleibt die Angst natürlich weiter bei ihm.
So wird trotz richtiger Grundeinschätzung der Marktentwicklung beim nächsten kleinen Abschwung viel zu früh verkauft und der Investor verpasst dann den nächsten Aufschwung. Jetzt sieht der ängstliche Investor , dass die Kurse weiter nach oben gehen. Jetzt steigt also wieder ein, weil er gierig wird.
So hat er aber wieder ein gutes Stück vom Marktaufschwung verpasst. Gerät er in den nächsten, nach einem Zwischenaufschwung logisch folgenden kleinen Abschwung, verkauft der Investor erneut aus Angst.
Resultat ist, dass der Investor trotz richtig erkannter Grundpositionierung in einem langjährigen Bullen- oder Bärenmarkt durch seine Hin- und Herkauferei letztlich kein Geld verdient oder gar verliert. An der Börse heisst es schließlich: “Hin- und Her macht Taschen leer”. Und gerade daran verdienen auch die Banken und Broker durch die Handelsspannen und Gebühren.
In der Tat ist es schwer, sich von den menschlichen Instinktreaktionen Angst und Gier so weit distanzieren zu können, dass man eine nüchterne, rationale Entscheidung treffen kann. Und die Mehrheit der Investoren und des Mainstreams der Finanzinformationsdienste schätzen die Marktentwicklung eher langfristig falsch ein. Und sie verkennen die frühen lukrativen Einstiegsphasen der nächsten Bullen- oder Bärenmärkte.
Darüber kann sich der Investor, der solche Zukunftsmärkte schon entdeckt hat, natürlich freuen. Ansonsten hätte die Masse der Anleger den Markt ja schon hoch getrieben und der Markt wäre schon wieder uninteressanter, wenn nicht gar gefährlich geworden. Aber es ist psychologisch für den Investor nicht leicht, sich gegenüber der Schar der Lemminge und Analysten als allgemeine Marktmeinung seine unabhängige Meinung zu erhalten – speziell wenn es beim Auf und Ab der Märkte zwischenzeitlich mal wieder abwärts gehen sollte und die allgemeine Marktmeinung die “Angst” weckt.
Wenn es schließlich psychologisch am einfachsten wird, wenn nämlich alle auf den Markt aufspringen, sollte sich der clevere Investor schon wieder von diesem Markt verabschiedet haben.

Am 27. Februar 2007 um 13:32 Uhr
[...] Vorsicht – das erinnert an Bewertungsmaßstäbe der Technologie-Titel aus den Zeiten der Dot.com-Blase. Wenn Sie nicht als Trader und Spekulant auf hochriskante kurzfristige Kursgewinne durch schnellen An- und Verkauf setzen, sondern als langfristig anlegender Investor handeln wollen, sollten Sie das Prinzip des frühen werthaltigen Einstiegs zum möglichst günstigen Preis bei Unterbewertung jeweiliger Märkte und des langjährigen Durchhaltens entsprechender Trends beachten. Solche überhitzen Märkte können schnell zusammenbrechen, wenn sich in der Investorenschaft wieder ein Meinungswandel in Richtung “es zählen nur aktuelle Erträge” entwickelt und die Investoren lieber den Spatz in der Hand halten als die Taube auf dem Dach halten wollen. Alternative Energien sind im Prinzip weiterhin ein gutes Zukunftsinvestment, wenn die Bewertung wieder stimmt. [...]
Am 1. Oktober 2007 um 18:43 Uhr
Entscheidungsfindung bei der Auswahl von Finanzprodukten
In der August-Ausgabe der Zeitschrift P.M. Fragen & Antworten gibt es einen interessanten Artikel zur Entscheidungsfindung. Die Quintessenz daraus lautet in etwa: den in der Wirtschaft solange gepredigten „Homo Oeconomicus“, also den rational…
Am 7. Oktober 2007 um 13:29 Uhr
Ein sehr interessanter Beitrag, auch den ich in meinem Blog bereits verwiesen habe: http://www.online-kredite.com/blog/allgemein/entscheidungsfindung-bei-der-auswahl-von-finanzprodukten.html
Am 15. März 2008 um 16:38 Uhr
Wer als Börsenmakler am Markt erfolgreich sein möchte, sollte
durchaus strategisches Geschick verfügen. Wenn er dieses hat, gewinnt er, wenn er verliert, hat er Pech gehabt. Es ist immer mit einem Risiko verbunden, was ja im Fall des Erfolges auch entsprechend belohnt wird. Wenn der Trend am Markt sich aber aufwärts bewegt, dann kann jemand für längere Zeit mehr gewinnen als verlieren. Um die Lage am Markt zu erkennen, gibt es Profis. Sie verfügen meistens über eine längere Erfahrung. Anderseits gibt es Leute, die aus dem Bauch her raus in Zukunft liegende Ereignisse richtig vorraussagen können(Kartenlesen). Sie wären für diesen Job bestens geeignet. Wem das Risiko absolut nicht zusagt, sollte Tätigkeiten dieser Art sein lassen.
Am 21. August 2008 um 14:32 Uhr
Habe einen ähnlichen BEitrag sowohl auch http://www.abakuskredit.de als auch auf http://www.finanzxl.de gefunden, ändert natürlich nix daran das dieser hier auch sehr interessant war!