Gold und Silber: Sicherer Hafen bei einem Börsen- und Währungscrash?

Häufig werden für jeweilige Anlageformen und Wirtschaftsbranchen eigene Anlagephilosophien und Szenarien entwickelt. Häufig wird dabei auch die Meinungsbildung von jeweiligen Interessengruppen forciert und durch Marketingmaßnahmen unterstützt.

Seit dem Jahr 2000 erwachen die Edelmetallmärkte aus einem 20jährigen Dornröschenschlaf. In diesem Anlagemarktsegment finden sich bestimmte klassische Wirtschaftstheorien wie die österreichische Schule zu Hause. Wie schon immer werden Zukunftsszenarien des notwendigen Untergangs der aus dem Nichts erzeugten Geldmengen der Weltwährungen vorgestellt, da diese Währungen und Geldmengen nicht mehr durch tatsächliche Werte – wie vor 1991 der Goldstandard – unterstützt werden. Dazu kommt ein ganzes Arsenal von teilweise sehr fundiert teilweise aber auch sehr exotisch bis hysterisch vorgetragenen Argumentationen.

Wie für alle Anlagemärkte gilt auch für den Edelmetallmarkt: Das investierte Publikum will mit Phantasien in Gold, Silber und Platin unterhalten und informiert werden, damit es investiert bleibt und mehr in Edelmetalle investiert. Dazu existieren durchaus wertvolle Informations-Websites, die von verschiedenen Edelmetallhändlern, aber auch anderen aus der Edelmetallbranche aus Marketinggründen betrieben werden, beispielsweise Goldseiten.de für Deutschland oder Kitco.com für die Welt und speziell die USA.
Eine Grundargumentation der sogenannten Goldbugs (deutsch: Goldkäfer) und Silverbugs (deutsch: Silberkäfer) für einen langjährig steigenden Markt bei den Anlagemöglichkeiten für Edelmetalle ist, dass in den Märkten extrem viel Liquidität vorhanden ist und diese exponentiell wachsende Finanzblase (Kreditvolumen, Derivate, Hedge-Fonds, usw.) irgendwann zerplatzen muss. Dabei wird erwartet, dass die Anleger in diesem Fall aus überhitzten Aktien-, Anleihe- und Immobilienmärkten in den für sich dann als sicheren Hafen der Edelmetalle ausweichen werden und in physisches Gold und Silber investieren oder wegen der bei steigenden Edelmetallpreisen steigenden Gewinne von Gold- und Silberaktien dann in diese investieren werden.

Eine weitere Argumentation der Gold- und Silverbugs ist, dass irgendwann der Kurs der US $ gegenüber anderen Währungen abstürzt, aber speziell verstärkt gegenüber Gold und Silber als Hort- und Währungsdeckungsformen früherer Zeiten. Das würde dann zu einem Wettlauf der Anleger raus aus den Währungen und rein in die Edelmetalle führen.

Betrachtet man sich diese und weitere Argumentationen für steigende Edelmetallpreise und Edelmetallaktien, dann erscheint das oben zuerst angeführte Argument des Platzens einer Liquiditätsblase zweischneidig. Denn diese Liquidität ist ja nicht nur in alle möglichen Aktien, Anleihen und Immobilien geflossen, sondern auch in Käufe von Edelmetallen und Edelmetall-Aktien und vor allem auch in Spekulationen mit diesen Metallen an den Rohstoff-Terminbörsen mit großer Hebelwirkung auf den Marktpreis der Metalle.

Eine generelle Liquiditätsverknappung dürfte also auch die Edelmetallmärkte nicht aussparen und dementsprechend auch dort zu Preiseinbrüchen führen: Eine Liquiditätsverknappung betrifft im Prinzip mehr oder weniger schließlich alle Anlagemärkte.

Andererseits konnte aber auch beobachtet werden, dass sich die Preise für Edelmetalle während des Dot.com- und allgemeinen Aktien-Crashs von 2000 bis 2003 gegenläufig nach oben entwickelten, obwohl auch damals enorm viel Liquidität als allgemeine Geldillusion vernichtet wurde.

Jedoch zeigt der letzte Kurseinbruch aus dem Mai 2006, dass ein Einbruch wegen plötzlich einsetzender Liquiditätsverknappung erstaunlicherweise durchaus alle Assetklassen (deutsch: Vermögensanlagearten) betreffen kann.

Es sind bei einer Anlegerprognose für den Bereich Edelmetalle mithin getrennt mehrere Einwirkungsfaktoren auseinander zu halten, die gemeinsam die aktuellen Marktpreise bestimmen:

  1. Ein Platzen der weltweiten Liquiditätsblase als Kontraktion der Geldmenge und des Werts der Kapitalanlagen dürfte zunächst auch Gold und Silber und natürlich auch die Aktienkurse der Edelmetallminen negativ beeinflussen – beispielsweise durch Notverkäufe von Tradern, die ihre Reserven antasten müssen, um ihre anderweitigen “Börsenspielschulden” zu begleichen.
  2. Entweicht ein größerer Teil der Geldmenge aus dem System, dürfte dann auch die Konsumnachfrage und damit auch die Investitionsnachfrage in Mitleidenschaft gezogen werden. Das wiederum dürfte die Rohstoffpreise an den Terminbörsen wegen erwarteter fallender Nachfrage nach unten ziehen. Und da Gold, Silber und Platin bislang auch wegen der vermehrten industriellen Nachfrage vom Boom der Metalle profitierten, werden auch sie in diesem Szenario dann wohl Federn lassen müssen.
  3. Andererseits dürften auf mittlere Sicht vermehrt Anleger die übergeordneten langfristigen Wirtschaftszyklen wahrnehmen, die eine wachsende Investitionsbereitschaft in Rohstoffe und Rohstoff-Aktien nach sich ziehen.
  4. Sollten andere Kapitalmärkte wie überdehnte Anleihemärkte für Immoblien, usw. stark einbrechen, weil die Gläubiger ihre Kredite nicht mehr bedient werden können, könnte das eine Flucht in traditionelle werthaltige Hortungsmittel Gold und Silber auslösen.
  5. Speziell gilt dies für das steigende Risiko eines politisch eventuell irgendwann nicht mehr kontrollierbaren US-Dollarverfalls. Speziell bei den in US-Dollar investierten Anlegern dürfte das nicht nur eine Flucht in andere Währungen, sondern speziell auch in Gold und Silber als Metalle mit wirklichem statt nur versprochenem auf Scheine gedrucktem Wert auslösen.
  6. Wertsteigerungen gibt es bei den Edelmetallen traditionell schon immer auch für politisch sich verschärfende Konflikte – beispielsweise beim Krieg ums Öl im mittleren Osten.
    Derartige unterschiedliche Faktoren dürften bei einem gewissen Ausmaß an Panik am Markt zu unberechenbaren, erheblichen Kurssprüngen bei den Edelmetallen und Edelmetall-Aktien sowohl nach oben als auch nach unten führen. Das kann bei in diesem Bereich wegen vermuteter Sicherheit investierte Investoren ebenfalls ziemliche Ängste auslösen und weitere Verkäufe auslösen.

    Langfristig dürften bei einer wahrscheinlich im Zeitverlauf kombinierten Liquiditäts-, Kredit- und US-Dollarkrise eine Vertrauenskrise in die Währungen der Welt auslösen, die ja sämtlich nicht mehr durch Gold gedeckt sind, wodurch die Geldmenge von den Notenbanken, Regierungen und Finanzinstituten wie Hefekuchenteig aufgeblasen werden konnte. Langfristig könnten also die Edelmetalle durchaus die zukünftigen Gewinner im nächsten Zyklus der Anlageklassen sein, wie dies historisch bei Geldentwertungen und der Auflösung von Kreditblasen immer wieder der Fall war. Zwischenzeitlich dürfte es wiederholt noch letzte günstige Einstiegsmöglichkeiten geben, wobei allerdings viele Anleger wegen der Kursstürze in Verkaufspanik geraten dürften. Insofern gilt dann auch für Anleger die erste Regel auf den Schildern für den Brandschutz im Notfallimmer: “Im Brandfall Ruhe bewahren.

3 Reaktionen zu “Gold und Silber: Sicherer Hafen bei einem Börsen- und Währungscrash?”

  1. MonetenGuru » Blog Archiv » Kommt jetzt das erwartete Blutbad an den Kapitalmärkten?

    [...] Wie heute zufällig im Blog zum Thema Kontraktion überschäumender Liquidität, Edelmetalle und Asset-Bubble beschrieben, schwappte heute abend die Verkaufswelle auch auf die Gold- und Silberpreise an den Rohstoffbörsen und auf die Edelmetall-Aktien-Indizes über. Diese dürfte noch nicht unbedingt beendet sein, dürfte aber mittelfristig von einer freundlichen bis bullischen Tendenz für die Edelmetalle gerade in Krisenzeiten überlagert werden. Ob es sich beim Börsensturz nur um eine anstehende Korrektur bis zur Unterstützunglinie der seit vielen Monaten ständig steigenden Kursentwicklung an den Aktienmärkten handelt oder um den wirtschaftsanalytisch von vielen erwarteten zweiten Crash nach Platzen der Dot.com-Blase, wird sich in den nächsten Tagen oder Wochen zeigen. Denn eigentlich ist logisch, dass der Dot.com-Crash aus dem Jahr 2000 durch eine massive globale Zinssenkungspolitik durch politische Öffnung der Geld- und Kreditschleusen nur übertüncht wurde. Verschwindet nun diese Geldmenge im “schwarzen Loch” der Assetmärkte, setzt sich erneut der Kursverfall fort. Danach würde jetzt das “Doppelhoch” von 2000 und Anfang 2007 hinter uns liegen, wobei uns die nächsten Jahre nochmals ein scharfer Bärenmarkt bevorsteht, bevor es langfristig wieder aufwärts gehen kann. Dieser Kursverfall könnte die Tiefststände von 2003 erneut erreichen oder sie gar überschreiten. [...]

  2. Life Lnsurance WebLog » Blog Archive » www.linos.com

    [...] MonetenGuru » Blog Archiv » Gold und Silber: Sicherer Hafen bei … … usw. stark einbrechen, weil die Gläubiger ihre Kredite nicht … Zwischenzeitlich dürfte es wiederholt noch letzte günstige … Allgemein (6) Anlegerstrategie (6) Öl (1) Ãœberschuldung, Insolvenz (6 … http://www.monetenguru.de/?p=29 [...]

  3. Life Lnsurance WebLog » Blog Archive » Kredit aufnehmen und Banking: Das müssen Sie wissen.

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