Soll man aktuell in alternative Energien investieren?

Jetzt in Aktien der Branche alternative Energien investieren? Wer heute daherkommt und erkennt, dass eine Investition in Aktien von Firmen aus der Branche alternativen Energien doch hochinteressant sein könnte, kommt leider ziemlich spät. Ende Februar 2007 haben die Kurse der Branche alternative Energien erneut nach einer “Delle” in den Charts ab Mai 2006 erneut ziemlich raketenartig abgehoben, wie dies im Index zu erkennen ist. Die Welt berichtete am 27.02.2007, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Branche gemäß Bloomberg-Index jetzt bei über 44 liegt und die Hedgefonds jetzt wegen Überhitzung des Marktes und Überbewertung aussteigen: Beispielsweise gab es in weniger als zwei Monaten aufgrund erneut anziehender Ölpreise 25% Kursgewinn des US-Solarzellherstellers SunPower seit Jahresbeginn, 40% Kursgewinn für die deutsche Q-Cells und gar 240 Prozent Gewinn bei der kanadischen Arise Technologies als Hersteller solargetriebener Batterieladegeräte.

Vorsicht – das erinnert an Bewertungsmaßstäbe der Technologie-Titel aus den Zeiten der Dot.com-Blase. Wenn Sie nicht als Trader und Spekulant auf hochriskante kurzfristige Kursgewinne durch schnellen An- und Verkauf setzen, sondern als langfristig anlegender Investor handeln wollen, sollten Sie das Prinzip des frühen werthaltigen Einstiegs zum möglichst günstigen Preis bei Unterbewertung jeweiliger Märkte und des langjährigen Durchhaltens entsprechender Trends beachten. Solche überhitzen Märkte können schnell zusammenbrechen, wenn sich in der Investorenschaft wieder ein Meinungswandel in Richtung “es zählen nur reale, aktuelle Erträge” entwickelt und Investoren dann lieber den Spatz in der Hand halten als die Taube auf dem Dach besitzen wollen.

(Nachtrag vom Abend des gleichen Tages: Diesen Beitrag hatte ich gerade noch heute Morgen geschrieben – heute Abend sieht die Welt nach blutroten Kursen der alternativen Energiewerte wie Nordex (-13%) oder Ersol Solar (-10%) bereits anders aus. Ein Curscrash der entfernten Börse in Shanghai reichte aus, um weltweit Geldillusionen zu zerstören.)

Alternative Energien sind im Prinzip weiterhin ein gutes Zukunftsinvestment, wenn die Bewertung wieder stimmt.

Dass die alternativen Energien als Teil der Energiebranche ganz große Zukunftschancen haben, dürfte inzwischen weithin unbestritten sein. Es sind nicht mehr nur die hier von den Konservativen der 80er und 90er Jahre vermuteten “grünen Spinner”, die schon lange diese Zukunftschancen erkannt haben. Damals hätten Sie gegen den Zeitgeist der Anlegerscharen und des Establishments die Zeichen der Zeit erkennen können – schließlich lag der wissenschaftliche Globalreport 2000, der die Energieprobleme klar benannte, schon Jahrzehnte vorher auf dem Tisch.

Noch in der zweiten Hälfte der 90er Jahre lag der prozentuale Anteil der alternativen Energien an der gesamten Energiegewinnung und am gesamten Energieverbrauch im einstelligen Miniprozentbereich. Obwohl sich die jeweiligen Anteile der thermischen und elektrischen Solarenergie, Windenergie, Biogas, Biodiesel, usw. am gesamten Energieverbrauch sich in den letzten Jahren bereits vervielfacht haben, sind sie prozentual gesehen auch heute noch sehr klein. Dabei ist zu erwarten, dass insbesondere folgende drei Gründe über kurz oder lang zu einem weiteren massiven Wachstum der Nachfrage und Marktpreise für alternative Energien beitragen werden:

1) Verknappung des Energieangebots. Sinkende Ölreserven machen klar, dass der Zenith weltweit billigen Öls bereits erreicht oder bald schon überschritten sein wird. Früher wurden jedes Jahr mehr Ölreserven über neue Ölquellen entdeckt als Öl abgebaut wurde. Heute wird mehr Öl verbraucht, als neu entdeckt wird. Es gibt zwar noch viel Öl und Erdgas, allerdings verbleiben zunehmend nur noch die entdeckten Öl- und Erdgasreserven übrig, die nur sehr viel teurer als bisher gefördert werden können – etwa das Potential von Ölschiefer, usw. Die vorhersehbare angebotsseitige Verknappung billigen Öls lässt über die Jahre die Energiepreise steigen macht alternative Energien als Ersatzlösung immer attraktiver.

2) Vermehrte Energienachfrage. Gleichzeitig treibt eine weltweit steigene Energienachfrage die Energiepreise langfristig nach oben. Milliarden Menschen in Osteuropa, Asien (China, Indien, Südostasien) und Südamerika wollen auch im Wohlstand leben. Das dortige Wirtschaftswachstum führen dort zu immer höheren Energieverbrauch in der Wirtschaft und beim Verbraucher. Man denke nur an Bedürfnisse von Milliarden zukünftig ein Auto zu fahren. Wenn beispielsweise in China mit 1,3 Millionen Menschen nur 15 Autos auf 1000 Einwohner kommen, dann kann man sich gerne mal den Spritverbrauch in China selbst zukünftiger Drei-Liter-Sparautos durchrechnen, wenn 500 Autos auf 1.000 Einwohner kommen wie dies in einigen wirtschaftlich reicheren Ländern der Fall ist. Auch die nachfrageseitige Verknappung von Energie als “Rohstoff” erhöht die Energiepreise. Auch dieser Preisschub macht alternative Energien immer wettbewerbsfähiger. Auch Investitionen in Forschung und Entwicklung in alternative Energiegewinnung werden attraktiver – beispielsweise neue Generationen preisgünstiger produzierbarer und möglichst parallel effektiverer Solarzellen. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Innovationen im Bereich alternative Energien.

3) Politisch motivierte staatliche Subventionierung alternativer Energien. Seit Rot-Grün 1998 die Bundesregierung stellte, wurden in Deutschland alternative Energien steuerlich, auf der Förderzins-Ebene und anderweitig gesetzlich gefördert. Insbesondere wurden die Stromversorger gesetzlich dazu gezwungen, die Einspeisung alternativer Energien (Wind, Solarenergie) dem Windmühlen- oder Solaranlagenbetreiber zu überhöhten Preisen vergüten. Gleichzeitig werden für Investitionen in alternative Energien wie ein Solardach auf dem Eigenheim zinsverbilligte Kredite gewährt. Ähnliche Entwicklungen lassen sich mittlerweise auch in anderen Ländern finden. Die politische Förderung alternativer Energien verfolgt wichtige Ziele: Es soll ein Beitrag zum CO2-Klimaschutz geleistet werden. Außerdem sollen die Länder von den Wirren und von möglichen Kriegen um Öl und Energielieferungen aus dem Ausland unabhängiger zu werden. Schließlich geht es um zusätzliche Arbeitsplätze, die im eigenen Land durch die Produktion und Investitionen in alternativen Energien geschaffen werden können und Politikern Wählerstimmen bringen können.
Ergebnis:

Im Falle einer sicherheitsorientierten Anlegerstrategie, die wertorientiert investiert statt in überhitzten Märkten herumspekuliert, erscheint bei Aktien des Sektors alternative Energien trotz großer Wachstumsperpektiven derzeit also Geduld angesagt, bis eine größere – womöglich bald anstehende Bewertungskorrektur abgeschlossen ist und die aktuelle Liquiditätsschwemme (Hedgefonds, Derivate, Geldmengenausweitung durch Niedrigzinspolitik, historisch niedrige Risikoprämien auf Kredite) aus den Anlagemärkten wieder abgeflossen ist. Das Gesamtszenario kann sich gegebenenfalls noch über Jahre hinziehen – wobei auch zwischenzeitliche weitere Kurssteigerungen und Übertreibungen möglich sind.

Zugleich lässt sich inzwischen erkennen, dass zunehmend auch die großen Energieriesen und Stromversorger, die häufig geradezu im Geld schwimmen, in den Bereich alternative Energien investieren. Nach den Schnellbooten der innovativen grünen Gründerzeit bei den alternativen Energien werden zukünftig also zunehmend die großen Energiekonzerne hier eine führende Rolle bezüglich der weiteren Investitionen einnehmen und gegenüber den kleinen reinrassigen Firmen bei alternativen Energien zunehmend als kapitalkräftige Wettbewerber am Markt auftreten.

Dabei werden die etablierten Energiekonzerne natürlich gerne auch für sich Staatsknete als Subventionen aller Art abgreifen und als Energielobby (die selbst Wirtschaftsminister als ehemalige und zukünftige Manager der Energieindustrie stellt) versuchen, die staatlichen Subventionsformen entsprechend auf eigene Mühlen hin zu kanalisieren. Erwartbare Profite aus alternativen Energien dürften sich in der Tendenz also zunehmend bei den Energieriesen wiederfinden und weniger als bisher die rein alternative Energiebranche allein davon profitieren. Das kann sich auch auf die Marktbewertung der Aktienkurse der Energiebranchen auswirken.
Zusätzlich könnten die Kapitäne der Energieversorger sozusagen die Öltanker versuchen, durch Firmenübernahme die noch freien Schnellboote der alternativen Energiebranche die eigene zukünftige Marktstellung zu festigen.

Andere Investitionsperspektive bei privaten geförderten Investitionen in alternative Energien und Energie-Sparmaßnahmen. Während Investitionen in ein überhitztes Aktiensegment gefährlich sein könnten, könnten sich geförderte Investitionen in selbst erzeugte Energien per Solardach, Solarwärme im eigenen Haus oder eine Windmühle oder Biogasanlage, etc. oder Energiesparmaßnahmen durch Wärmeisolation oder wärmeeffizienterer Versorgung von Gebäuden durchaus weiterhin rentabel rechnen. Neben der direkten Kalkulation der Investitionskosten unter Berücksichtigung der Fördermaßnahmen (Zinsverbilligte Kredite, Stromeinspeisungspreise, usw.) und den daraus ableitbaren Finanzierungskosten fließen bei der Investitionsentscheidung natürlich auch langfristige Annahmen über die Entwicklung der Energiepreise in den nächsten Jahrzehnten und mögliche alternative Renditen ein.

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