Mittelstandsbarometer: Wie entwickelt sich 2007 die Wirtschaftslage?

Es ist immer wieder ähnlich: Ist das Publikum oder die Wirtschaft bei der zukünftigen Wirtschaftslage pessimistisch, so hat man womöglich schon bald wieder Licht am Ende des Tunnels. So meinten in der Mittelstandumfrage von Ernst & Young in 2005 55% (!) aller Befragten, dass sich die allgemeine Wirtschaftslage verschlechtern werde werde, nur 12% (!) erwarteten damals eine Verbesserung. Und genau diese trat auch ein.

Anfang 2007 sieht es völlig anders aus: Nur noch 7% (!) der Befragten erwarten eine Verschlechterung (Rezession) und 73% erwarten für 2007 eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage -mehr dazu im “Mittelstandsbarometer von 2007” und auch als Download der gesamten Untersuchung (PDF, 21 S.). Niemand wünscht sich einen erneuten wirtschaftlichen Einbruch. Aber damit macht sich ein geradezu gefährlicher Optimismus breit. Denn ein besonders hoher Optimismus geht erfahrungsgemäß sehr häufig mit Höchstständen der Wirtschaftsentwicklung einher.

Man erinnere sich an das Frühjahr 2001, als 95% aller Finanzexperten dem Publikum die Zukunft rosig malten. Damals begann der große Börsencrash , die Dot.com-Blase platzte. Erst seit 2003 war langsam bei den Aktien wieder Land zu sehen. An dem Punkt stiegen sie wieder, als fast nur noch Pessimismus umging und sich viele nicht mehr trauten, Aktien überhaupt noch anzufassen.
Die Befürchtung für einen kommenden zweiten Börsen- oder gar allgemeinen Finanzcrash ist nicht so abwegig, wie derzeit viele denken: Größere Einbrüche nach größeren Übertreibungen werden zunächst scheinbar überwunden. Alles ist wieder optimistisch und die Wertentwicklung der Kapitalanlagen steigt wieder. Aber eigentlich wurde noch gar nichts so richtig überwunden: Weltweit wurden von den Notenbanken massiv die Zinsen gesenkt, in Japan sogar bis auf 0% (!). Das hat viele Banken und Versicherungen vor dem Ruin bewahrt, indem eine riesige Geldschwemme losgetreten wurden, die in Kombination mit dem Yen-Carry Trade, Hedge-Fonds und Derivaten die Wertentwicklung in allen Anlagesparten (Aktien, Anleihen, Immobilien, Edelmetalle, usw. als “asset classes”) in die Höhe getrieben hat.

Wie viel echter Mehrwert wurde aber tatsächlich geschaffen, der diese Wertentwicklung rechtfertigt? Eigentlich recjt wenig. Und daran erkennt man, dass die normale Finanzblasenbildung in jeweiligen Sektoren oder Regionen inzwischen von einer großen gemeinsamen Riesenblase ersetzt worden ist. Im Rahmen der Globalisierung der Kapitalmärkte und der elektronischen Handelbarkeit der Werte in allen Formen – insbesondere auch in der Form von Wetten – haben sich nun sowohl die Anlagesparten als auch die Weltregionen weitgehend synchronisiert.

Um so schwieriger wird es jetzt für die Politik und die Notenbanken sein, im Falle einer ernsthaften Finanzkrise wirkungsvoll zu intervenieren. Der kleine Kanonendonner Anfang März 2007, als alle Märkte bis auf Staatsanleihen weltweit wie von Zauberhand in kürzester Zeit und fast ohne Ausnahme fielen, bietet einen Vorgeschmack auf das mögliche Tsunami-Potential einer solchen Konstellation. Nunmehr entscheidet immer weniger die Wirtschaftsentwicklung über die Börsenkurse, sondern die Derivate-Börsen über die Wirtschaft. Insofern ist vorstellbar, dass binnen weniger Stunden nicht nur viele Milliarden, sondern Billiarden Euro durch kollektive Kursstürze aus dem System verschwinden können.

Und da die elektronischen Börsenplätze schon Anfang März zeitweise wegen Serverüberlastung nicht mehr handelbar waren sollte sich niemand unter den Tradern und riskanten Anlegern sicher sein, dass er da noch rechtzeitig rauskommen wird. Auch wenn die Exit-Strategie gut überlegt ist – sie wird wenig helfen, wenn es beim Verkaufen oder Umschichten der Werte auf dem Bildschirm des Servers der Bank oder des Brokerhauses heisst: “Entschuldigung – wir haben momentan ein technisches Problem, die Kurse können nicht richtig angezeigt werden und ein Handel ist auch nicht möglich. Bitte besuchen Sie uns bald wieder.”

Eine Reaktion zu “Mittelstandsbarometer: Wie entwickelt sich 2007 die Wirtschaftslage?”

  1. Bernd

    Hört auf mit den Schönrednereien. Es ist doch wirklich nur Kaffeesatzleserei, was die Statisten – tschuldigung – Statistiker machen: http://www.deutschland-debatte.de/2007/05/01/gfk-ifo-gmbh-co-kg/ und siehe Projekt 2100

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