Derivate-Mania überschritt 2006 schon 370 Billionen US $

Ich weiss, die meisten wollen es derzeit einfach nicht wissen, weil man im Boom nichts vom Risiko hören oder lesen will. Aber Facts sind trotzdem wichtig. Hier eine kleine Momentaufnahme aus der schönen bunten Virtuellen-Derivate-Casino-Welt, in der in 2006 bereits ein Vielfaches der Jahresweltproduktion verwettet wurde.

Im ersten Halbjahr 2007 erreichten nach Angaben der hochoffiziellen Bank of International Settlement (BIS) die über Derivate abgedeckten Finanzwerte bereits 370 Billionen US $. Das sind rund 285 Billionen Euro! Vergegenwärtigen wir uns bitte, dass das deutsche Bruttosozialprodukt von Deutschland unter 3 Billionen Euro beträgt und das BSP der gesamten Welt etwa 45 Billionen Euro (Werte von 2005). Die Derivate-Blase hat damit wohl bereits das Fünffache des Bruttosozialprodukts der Welt überschritten.
Nein, die Billionen sind kein Ãœbersetzungsfehler: In vielen Pressemitteilungen werden bei der Ãœbersetzung von englischsprachigen Finanz-Nachrichten Milliarden und Billionen miteinander vertauscht. Bis zu den Millionen sind die englischen und die deutschen Bezeichnungen zwar noch kompatibel. Eine englische “Billion” ist hingegen mit “Milliarde” ins Deutsche zu übersetzen. Eine deutsche “Billion” ist im englischen hingegen eine “Trillion”. In diesem Beitrag geht es tatsächlich um englische Trillionen, also deutsche Billionen – also um irrsinnige Summen.

Diese Zahl von 270 Billionen US $ entstammt der letzten Derivate-Analyse der BIS vom November 2006, die sich jederman – mit schönen Schaubildern und Tabellen angereichert – als PDF-Dokument herunterladen kann (21 Seiten). Danach hat sich allein im ersten Halbjahr 2006 die Derivate-Blase um 24% vergrößert. Dabei handelt es sich um eine Fortsetzung des exponentiellen Wachstums seit Jahren.

98% der Derivate sind reine Wetten. Der Umfang dieser Wetten auf Wertpapiere, Aktien, Kredite, Währungen, Immobilien und Rohstoffe hat also schon ein Vielfaches der weltweiten jährlichen Wertschöpfung erreicht. Dabei ermöglichen es Derivate, dass mit kleinem Kapitaleinsatz eine Position mit hohen Chancen und Verlustrisiken eingegangen werden. Natürlich sind hier nicht nur die Hedgefonds, sondern auch die Brokerhäuser und in Deutschland die Banken und Versicherungen mit von der Partie. Je größer der Gesamtumfang aller Wetten wird, desto kritischer wird die Statik beim “Turmbau zu Babel“. Dabei ist völlig unklar, wie die Finanzsysteme im Krisenfall reagieren werden. Derartiges ist historisch schließlich noch nie dagewesen ist.

Vorsichtige Anleger sollte sich daher auf echte Werte besinnen und vor allem alle Formen von Schuldvereinbarungen mit Banken, Brokern oder Versicherungen meiden, wie beispielsweise deren Zertifikate als Derivateform, die auch nicht über einen Einlagensicherungsfonds abgedeckt sind wie Girokonten oder Tagesgeldkonten. Sollten die Derivate einmal den Globus mit Kartenhaus-Effekten überziehen, wird es zuallererst die Finanzinstitute mit in den Strudel ziehen. Die Nationalstaaten dürften zwar entsprechende Finanzspritzen geben, um die Girokonten, usw. der Massen zu schützen. Wer aber bei Derivaten und anderen Schuldtiteln Schadensersatz fordert, wird ziemlich sicher auch vom Staat keinen Cent erhalten, der sich dann für die Casino-Teilnehmer nicht für zuständig erklären wird.

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