Bringt mehr Geld mehr Glück? Oder bringt Glück erst das Geld?

Zur spannenden Frage Glück und Geld meinen jedes Jahr rund 80% aller befragten Deutschen und das schon seit Jahrzehnten, dass Geld das wichtigste für ihr Glück sei. Das ergibt die entsprechende bundesweit repräsentative jährlichen Allensbach-Umfrage. Ein klares Kontra demgegenüber vertritt folgende märchenhafte Anekdote: “Es war einmal ein totunglücklicher König, reich und in tiefer Depression. Dem wurde dann gewahrsagt, er könne wie folgt von seinem Unglücklichsein geheilt werden: Er müsse das nur Hemd anziehen, dass vorher der glücklichste Mensch in seinem Reich getragen hätte. Also ließ der König seinen Beraterstab nach dem glücklichsten Menschen im Königreich zu suchen. Nach einer Weile kamen die Berater ergebnislos von der Suche zurück: Denn der glücklichste Mensch im Königreich war so arm gewesen, dass er sich gar kein Hemd hatte leisten können! Dem König stand daher leider kein Hemd zur Verfügung, dass ihn von seinem Unglück hätte erlösen können.” Der Spannungsbogen zwischen beiden Auffassungen zeigt: Wer nicht einfach nur unreflektiert über eine externe Reiz-Reaktions-Verhaltensdressur vor sich hinleben will, sollte dieser Frage eigentlich im Rahmen seiner Grundsatzentscheidungen für seine Lebensplanung auf den Grund gehen.

Erst dann macht schließlich eine Strategie und Taktik für die Erreichung von Lebenszielen Sinn. Wenn ich tatsächlich durch mehr Geld eigentlich sowieso nicht glücklicher werde, warum sollte ich dann eigentlich dem Geld hinterher rennen? Würde ich durch diese Fehlorientierung am Geld nicht die wirkliche Chance auf mein Glück verspielen?

Wer in Asien oder Mittel- und Südamerika oder Afrika herumfährt, sich in durchaus ärmere Gegenden hineinwagt und Kontakt zu den normalen Menschen sucht, erfährt, dass viele arme Leute glücklich aus den Augen lachen können und dabei häufig weit zufriedener und ausgeglichener erscheinen als wir. Es sind Leute, die viel ärmer sind als auch arme Leute in Deutschland. Menschen mit einem Lebensstandard, gegenüber dem ein ALG II Empfänger als reich erscheinen muss. Genau das ist auch die klare Botschaft der Anekdote vom unglücklichen König im Kontrast zum glücklichen Armen: Auch hier ist beim Glück der Reiche arm und der Arme reich.

Damit soll Armut nicht verklärt werden. Rund 800 Millionen Menschen auf dem Globus  leiden an Hunger, Mangelernährung,  Krankheit in einem meist kurzen schweren Leben. Das sind 10 mal mehr Menschen als in Deutschland leben. Hätten Sie mehr Geld, dann hätten sie wohl diese Leiden und Probleme nicht. Beim Thema glücklich wirkender, aber vergleichsweise armer Menschen ist eher ein Existenzminimum zur Erhaltung von Körper, Geist und Seele Voraussetzung.

Die Frage “bringt mehr Geld mehr Glück” ist zunächst soweit zu bejahen, als dass offenbar ein tatsächliches Existenzminimum unabdingbar ist, um überhaupt glücklich sein zu können. Wenn ich im Hungerkoma oder schweren Infektionen oder Stoffwechselproblemen mit eingeschränkten Lebensfunktionen dahinvegetiere, kommt wirklich nicht so das wahre Glück auf.

Aber ab diesem Existenzminimum scheiden sich offenbar die Geister oder die Optionen. Die meisten Menschen nehmen den Reichtum den sie haben für selbstverständlich und träumen natürlich vom Reichtum, den Sie nicht und nur wenige “Auserwählte” haben. Und dieses Verhältnis könnte im Prinzip auf jeder Konsum- und Reichtumsstufe beliebig weiter eskalieren. Hätten in der Zukunft einmal  alle Menschen ein gesetzlich verbrieftes Grundrecht auf einen 100m langen Weltraumkreuzer mit Hyperraumantrieb als Teil des Mindestvermögens eines jeden Bürgers,  würden sicherlich alle von den mehrere Kilometer langen 100 stöckigen Raumschiffen der Schickeria, der Oberklassen und Mächtigen mit ganzen Roboterarmeen als Haushaltsangestellte und Dienstleister träumen, während einem nur 5 Roboter zugestanden werden. Jeder mit einem 100m Raumkreuzer beim Sozialhilfesatz würde sich womöglich sozial zurückgesetzt, materiell schlecht versorgt und persönlich als Versager vorkommen.

Ab einem bestimmten Existenzminimum aufwärts stellt der Traum vom Glück durch Wohlstand, Reichtum und das große Geld offenbar eine Kollektivillusion dar, der 80% der Deutschen anhängen. Warum rennen also alle mit im großen Geldrennen nach Glück, obwohl sich doch spätestens zum Lebensende die Erkenntnis einstellen muss, dass einem so das Glück letztlich nur als Regenbogen am Horizont erscheint, der langsam verblasst und dass man mit Geld als Mobilitätsvehikel allein das Glück offenbar nicht erreicht.

- Fortsetzung folgt hoffentlich bald. Es wäre nett, wenn Leser hier Ihre Meinung zum Thema Glück und Geld im Leben kommentieren. -

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