Sprechen Sie mit dem GEZ-Gebührenfahnder über Gott!
Das Thema Vorsorge wird ja derzeit überall groß geschrieben. Sorgen Sie also besser gleich grundsätzlich für den Fall vor, wenn unerwünschte GEZ-Gebührenfahnder oder andere “Türdrücker” wie Staubsaugervertreter, Zeitschriften-Abo-Verkäufer an der Haustür klingeln.
Hier das Rezept:
Besorgen Sie sich zunächst irgendein Exemplar vom “Wachturm” – der Zeitschrift, die die Zeugen Jehovas weltweit in über 20 Millionen Auflage vertreiben. Den “Wachturm” bekommen Sie schon ab 1,00 Euro Festpreis bei Ebay plus etwa ab 1,10 Euro Versandkosten. Oder sprechen Sie einfach jemand an, der den “Wachturm” auf der Straße öffentlich anbietet und Ihnen schenkt oder gegen eine Spende abgibt. Wachturm-Vertriebsleute finden Sie beispielsweise häufiger in Fußgänger oder Bahnhofszonen.
Haben Sie einen “Wachturm” ergattert, legen Sie diesen als psychoaktive Mehrzweckwaffe für alle eventuellen zukünftigen Meinungskämpfe nahe der Haustür jederzeit griffbereit so ab, dass er nicht wegkommen kann. Er muss für den Ernstfall verfügbar sein.
Klingelt nun ein GEZ-Fahnder oder ein anderer Hausierer an der Wohnungstür, empfangen Sie ihn zunächst mit dem “Wachturm”. Den wedeln Sie dem Vertreter um die Nase. Gleichzeitig ziehen Sie sanft die Tür hinter sich zu (Haustürschlüssel vorher einstecken) Jetzt ist der Zugang zur Wohnung bereits verbaut. Nun können sich besser auf Angriff (statt wie bisher auf Verteidigung) konzentrieren. Unter ständigem strahlendem Lächeln erklären Sie Ihrem Besuch:
“Schön dass Sie endlich vorbeikommen! Mit Ihnen wollte ich schon längst über Gott sprechen. Ich freue mich so, dass auch Sie die Wahrheit suchen. Endlich kehren Sie heim, endlich wollen Sie den wahren Glauben finden. Schauen Sie mal, was hier steht …..”
Will der GEZ-Fahnder oder ein anderer Vertreter seine eigenen Interessen an den Mann bringen, unterbrechen Sie mit:
“Darüber können wir gerne ein andermal reden. Heute wollen wir aber über das Thema ….. (das Thema, was als Titel auf Ihrem Wachturm steht laut vorlesen) sprechen. Das Himmelreich ist das wichtigste. Und nur so können auch Sie in den Himmel kommen, hören Sie doch bitte einmal nur 20 Minuten ruhig zu ……”
Wenn der Türdrücker jetzt immer noch dasteht, lesen sie ihm jetzt nur noch aus dem Wachturm vor. Der hat 32 Seiten. Sie haben für die nächsten Stunden also reichlich Erzählstoff. Reagieren Sie ab jetzt nicht mehr auf irgendwelche Zwischenbemerkungen Ihres Gegenübers. Nehmen Sie nicht mehr die Augen vom Text.
Will der Türdrücker Sie unterbrechen, lesen Sie lauter vor! Reagieren Sie zwischendurch mit der Schablone: “Hören Sie bitte weiter zu, hier steht folgendes ganz Wichtiges…..” Und dann lesen Sie weiter vor.
Setzen Sie nach, wenn sich der Vertreter aus dem Staub machen will. Drängen Sie inständig darauf, dass er bitte bleiben möge: “Gehen Sie doch jetzt nicht schon. Bleiben Sie bitte! Hören Sie bitte weiter zu. Der Wachturm hat Ihnen eine sehr wichtige Botschaft mitzuteilen!” Folgen Sie ihm weiter vorlesend. Bis auf die Straße, bis zum Auto.
Vielleicht versuchen Sie mal, ihm den Wachturm für 100 Euro zu verkaufen. Vielleicht zahlt er ja, weil er hofft, dass Sie danach endlich Ruhe geben. Lautet die Antwort “zu teuer”, gehen Sie auf 90 Euro runter.
Und vergessen Sie nicht zum Schluss noch hinterher zu rufen: “Kommen Sie bitte bald wieder. Ich bin immer gerne für Sie da!”
P.S.:
Der ausführlichere Praxistipp ist nur die aufgeblasenere Story eines Tippgebers im Netz, der nach eigenen Worten GEZ-Fahnder & Co. per “Wachturm” erfolgreich auf die Umsetzung des Gedankens “wie kratze ich baldmöglichst selbst die Kurve und verschwinde” brachte:
“Ich versuche den GEZ Schnüfflern an der Haustür immer einen Wachturm (den krieg ich immer günstig an der Haltestelle) aufzuschwatzen. Funktioniert hervorragend ebenso bei Vorwerkvertreten und allen anderen Mitgliedern des reisenden Gewerbes. Bei mir hat noch niemals zweimal derselbe Vertreter geklingelt.”
Die Idee, im eigenen Leben aus praktischen Erfolgsgründen eine standardisierte “Wachturm”-Schauspieler-Rolle für irgendwann sich ereignende Vertreterbesuche vorzubereiten dürfte Praktikern Freude bereiten. Die Inszenierung regt die Kreativitätsbildung in allen Persönlichkeitsbereichen an. Ich besorg mir jedenfalls die Zeitschrift und übe mal meine Rolle an der Haustür. Das Rollenspiel kann man auch gut zu zweit abwechselnd probieren.
Praktische Vor-Ort-Trainingsprogramme für Wachturm-Dialoge bietet auch die Konkurrenz im Bistum Würzburg. Mir persönlich ist das etwas zu weit.
Das gleiche Verfahren – wie oben für reale Vertreter vor der Haustür beschrieben – lässt sich natürlich auch gut als telekommunikative Mehrzweckwaffe gegen Telefon-Spammer und -Spanner einsetzen:
Unerwünschten Anrufern lesen Sie einfach – wie oben beschrieben – so lange aus Ihrem Wachturm vor, bis sie in der Kundendatenbank des Anbieters zum hoffnungslosen Fall mutiert sind. Oder lesen Sie laut das Kommunistische Manifest vor, gegebenenfalls auf plattdeutsch oder bayrisch.
Und das in einer Form und einem Verhalten, bei dem der Gegenüber möglichst schnell denkt, Sie seien echt so Gagga, dass er mit Ihnen nur seine Zeit vertut, er mit Ihnen kein Geld verdient, keinen Erfolg haben wird. Und dass Sie ihn womöglich durch Ihre Aufdringlichkeit und totale Unsensibilität gegenüber seiner persönlichen Befindlichkeit womöglich noch extrem stressen könnten. Damit bringen Sie jeden, der irgendein unerwünschtes Business mit Ihnen vorhat, auf dem schnellsten Wege zum Abdrehen und Gehen. Das erspart auch nervige Folgeanrufe.
