Drei historische Ereignisse: US $, Öl- und Goldpreis

Den heutigen 12. September 2007 kennzeichnen drei historische Kursdaten:

  • Der US-Dollar hat zum Euro einen neuen historischen Tiefststand erreicht. Nicht nur das – auch gegenüber einem gewichteten Währungskorb internationaler Wähungen ist der US $ mit 79,19 unter die waagerechte Begrenzungslinie gefallen ist, die seit den 80er Jahren wiederholt gehalten hat. Bestätigt sich dies, so ist der Weg des Dollars nach unten frei.
  • Der Ölpreis hat mit über 80 US $ pro Barrel einen neuen historischen Höchststand erreicht.
  • Der Goldpreis hält sich bei 710 US $ / Unze, ein Preis der seit 1980 (mit 850 US $ an der Spitze) bisher nur noch einmal in 2006 (mit 730 US $) überschritten wurde.

Dies alles ereignet sich erstaunlicherweise auf den Märkten, ohne das Panik einsetzt. Das erinnert etwas an Zeichentrickfilme: Der Reiter oder die Personen sind schon über den Rand des Abgrunds gelaufen und treten dort noch einige Zeit in der Luft auf der Stelle, bis sie die Schwerkraft erfasst.

Worauf könnte man sich einstellen? Auf jeden Fall wird die Immobilienkreditkrise in den USA noch sehr viel stärkere Beben im Finanzsektor auslösen als dies bisher der Fall war. Die sogenannten Jumbo-Mortgage-Hypothekenkredite, bei denen jahrelang in den USA beim Hauskauf Käufer ohne finanzielle Reserven und nennenswerte Einkommen, d.h. ohne Sicherheit nicht nur die Immobilie zu 100% finanziert wurde, sondern sogar noch Bargeld mit ausgezahlt wurde und die erste Zeit sogar keine Kredite zurückgezahlt werden mussten werden jetzt Zinsen fällig. Und die sind jetzt extrem hoch, so dass die ehemaligen Häusleerwerber daran garantiert pleite gehen werden. Auch bei den variablen US-Hypothekenkrediten (AMR), bei denen in 2003 bis 2005 nur extrem geringe Zinsen zu zahlen waren, werden jetzt um ein Vielfaches höhere Zinszahlungen fällig. Der große Berg der hochschnellenden Zinsbelastungen, die viele Käufer nicht durchstehen werden, steht erst bevor. Die Pleitewelle beginnt also erst jetzt richtig, was die Hauspreise verbilligen und die Beileihungsgrenzen weiter reduzieren wird.

Die derzeit größte Bubble ist jedoch nicht die weltweit aufgeblasene virtuelle Geldmenge, sondern das immer noch ungebrochene Verbrauchervertrauen in den USA. Immer noch 2007 mehr ausgegeben als im Vorjahr und die Sparquote tendiert gegen Null oder ist gar negativ. Natürlich wünscht sich kaum einer die voraussehbare Kontraktionsspirale, die entsteht, wenn die überschuldeten US-Verbraucher, die von den Darlehen der Welt bisher gut konsumieren konnten unter den Zwängen der materiellen Verhältnisse umdenken oder die Banken und die Welt einfach keine Kredite mehr dafür ausgibt, bzw. nur noch zu sehr hohen Risikoprämien.

Jedem ist klar, dass sich der US-Dollar nach Bruch der Marke von 80 beim Dollarindex mittelfristig erheblich verbilligen dürfte. Das wird aber das Auslandskapital verscheuchen, das bisher Billionen US $ an Anleihen gekauft hat. Für das Risiko, beim Investment in US $ durch den Dollarcrash abgestraft zu werden, wird das Kapital aus dem Ausland zusätzliche Zinsen als Kompensation verlangen. Das dürfte das Zinsniveau in den USA trotz Leitzinssenkung und Dollarcrash verteuern, wodurch dann die dortige Konjunktur weiter abgewürgt wird. Das bedeutet natürlich auch, dass bei Leitzinssenkungen der FED diesmal – anders als bis 2003 – die konjunkturstimulierenden Wirkungen völlig ausbleiben könnten, weil niedrigere Zinsen die Flucht aus dem Dollar verstärken dürften.

Da in diesem Fall die Gefahr einer weltweiten Konjunkturkrise droht, dürften die Notenbanken, G8, usw. konzertierte Aktionen auf den Finanzmärkten durchführen. Ob dies etwas nützen wird, wird man sehen. Zumindest könnte dies vielleicht einen drohenden Gesamtcrash von Konjunktur und Finanzwesen in einen weniger krassen Abschwung verwandeln. Möglich sind Währungsinterventionen, Rettungsdarlehensausreichungen zu Niedrigstzinsen und bei steigenden Goldpreisen auch Golddumping-Aktionen durch Bestandsverkäufe der Notenbanken. Auf diese Weise könnte man versuchen durch künstliches Preisdrücken die Goldpreise – beispielsweise durch Goldauktionen mit großen Mengen – die Psychologie bei den Papierwährungen zur retten. Ob das weiterhin gelingt – wie seit den 70er Jahren immer wieder einmal praktiziert – darf durchaus bezweifelt werden. Wenn die Leitwährung US $ erstmal einen echten “Knacks” weg hat, dürften solche Aktionen möglicherweise vom Publikum nicht mehr Ernst genommen werden. Ob ebenfalls mögliche heimliche Interventionen an den Finanzmärkten, speziell an den Derivatebörsen – beispielsweise durch das US Plunge Protection Team – greifen werden, muss man sehen. Die durch die jetzt seit Jahrzehnten aufgebauten Ungleichgewichte könnte so groß sein, dass die bisher bewährten Kopfschmerztabletten nicht mehr greifen.

Im Gesamtszenario dürfte in diesem Fall nicht nur Gold glänzen, sondern auch sonstige Werterhaltsmöglichkeiten durch reale, physische Werte jenseits von insolvenzgefährdeten Anleihen, Zertifikaten im Bereich von Rohstoffen, Agrarflächen, Immobilien, usw. – sofern diese durch die bereits bestehende Finanzbubble im Assetpreis nicht vielfach schon sowieso überteuert sind. Dies dürfte insbesondere für Immobilien in vielen Weltregionen wie USA, Asien und in Europa Großbritannien, Spanien, Frankreich, usw. der Fall sein. In Deutschland sind die Immoblienpreise durch die massive Immobilienkrise der 90er Jahre nach dem Spekulationsboom eher noch moderat. Dass sich hier sehr viele Investoren blutige Nasen geholt haben, ist in Deutschland durchausnoch im Anlegerinstinkt noch präsent.

2 Reaktionen zu “Drei historische Ereignisse: US $, Öl- und Goldpreis”

  1. Niels

    Inzwischen ist der Goldpreis sogar bei 720$ – die Marke von 2006 ist in Reichweite.

  2. Steffino

    ende der woche war der dollar bereits kaum mehr als 70 cent wert, öl liegt bei 84 und gold bei 730 dollar…

    tja, sollte man gold (bzw. silber) jetzt kaufen, oder warten bis es nochmal nach unten gedrückt wird?

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