Panik auf der Titanic: Depression oder Hyperinflation?

21.01.2008

Nach einem kontinuierlichen Abgleiten der Börsenindizes seit Jahresanfang 2008 setzte heute angefangen in Asien die Panik auf der Titanic ein. Die Abstürze der jeweiligen nationalen Aktienindizes betrug etwa zwischen knapp 4% (Japan) bis über 7% (Indien, Deutschland u.a.). In den USA waren die Börsen feiertagsbedingt geschlossen. Versagten hier etwa die kursmanipulativen Möglichkeiten des präsidial eingesetzten “Plunge Protection Teams”?

Die Forex-Kurse vom 21.01.08 zeigen, dass ein Großteils des Crashs offenbar von den Yen-Carry-Tradern und dieses Vehikel nutzenden Hedge-Funds verursacht ist: Die Rückführung von ausgeliehenen Yen-Krediten, die in Hochzinsländern wie Australien, Neuseeland usw. angelegt wurden betrug bis zu über 3% Kurssteigerungen zum Australdollar oder Kiwi. Was bisher durch gehedgte Risikoübernahme durch Hedge-Fonds kontinuierlich nach oben strebte stürzt nun umso krasser wieder in sich zusammen. Sind die Margins der Hedger überschritten fordern die Banken die Kredite zurück und es setzen plötzlich Asset- und Währungsverkäufe unter dem Motto “Rette sich wer kann” ein, was sich wiederum in den Währungskursen massiv niederschlägt. Achtung: Rund 1,5 Billionen Dollar sind in solchen Carry-Trades gespeichert. Bricht dieser “Kredit-Wolkenkratzer” aus Yen-Carry-Trades zusammen, entstehen entsprechende Panikverkäufe, da die Banken ihre Kredit-Margins zur Rpückzahlung zurückfordern, bevor sie selbst vor dem Konkurs stehen.

Es ist erstaunlich, wie lange die Banken und die Finanz- und Aktienmärkte überhaupt den Zusammenbruch des Super-Kredit-Zyklus noch überlebt haben. Nun setzt endlich die Kontraktion wegen des offenbar eingetretenen Vertrauensverlusts in die Kontrollierbarkeit der Ereignisse durch Notenbanken und Regierungen ein. Man traut weder Bush, US-Notenbankpräsident Bernanke noch sonstigen Notenbanken und Politkern ein.

Allerdings rennt die Hammelherde der Investoren, Fonds usw. derzeit in die falsche Richtung. Natürlich entstehen viele Kurse bei Aktien, Währungen, Rohstoffen und Anleihen derzeit einfach durch nackte Verkaufszwänge, die bei vielen Investoren derzeit auch die Liquidation von Assets in Gang setzen, die garnicht aus den eigentlichen Verlustbringern bestehen, sondern einfach noch bestehende Vermögenswerte ausmachen, die zur Kreditdeckung sofort zurückzuzahlen sind.

So wundert auch nicht, das von diesen Panikmärkten kurzfristig auch Edelmetalle, Edelmetallaktien oder Rohstoffe und Rohstoffaktien betroffen sind. Allerdings werden diese sich über kurz oder lang überproportional überholen, da diese Assets zu den Rettungsringen gehören, an denen sich die ersaufenden Investoren festhalten können.

Die Reaktion auf die Investorenpanik von heute in Richtung Depression wird US-notenbankpolitisch von Mr. Bernanke, Mr. Bush, aber auch den Demokraten und Republikanern (bis auf den republikanischen Präsidentschaftskandidat Ron Paul) klar die Flutung der Finanzmärkte durch Dollarmultiplikation sein: Es winken quasi-Kaufgutscheine für den US-Verbraucher zur Wirtschaftsbelebung und massive Senkungen der Leitzinsen. Man sollte nicht vergessen, dass der Großteil der US-Wahlkampfinanzierung von Hedgefondds, der Finanz- und der Rüstungsindustrie sowohl an führende Republikaner wie Demokraten-Kandidaten betrieben wird: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! Und diese Kräfte wollen sicher keine fallenden Aktienkurse, sondern notfalls eher zur Wirtschaftsbelebung einen Iran-Krieg – schließlich ist dem mit Hypotheken- Kreditkarten- und Auto- und sonstigen Verbraucher-Krediten bis an den Rand zugequetschten US-Verbraucher nicht mehr viel zuzutrauen. (Denn möglicherweise macht er es wie in Japan vor ein paar Jahren in der Rezession: Die Regierung verteilt an die Bevölkerung Kaufgutscheine, damit diese Konsumgüter kaufen. Diese legt aber das damit ersparte eigene Geld lieber an und die angestrebte Wirkung verpufft.)

Führt Vermeidung der Weltwirtschaftskrise 1929 zur Hyperinflation à la 1923 Deutschland Weimarer Republik?

Es ist bemerkenswert, wie deutsche Investoren auf die derzeitige Entwicklung der Finanzmärkte reagieren: Sie sind weltweit Haupterwerber neu geprägter Silbermünzen, die teilweise mehrheitlich nach Deutschland importiert werden. Sie horten überproportional physische Edelmetalle. Einem Teil der deutschen Investoren stecken offenbar die Erfahrungen mit der Hyperinflation in der Weimarer Republik in den Knochen. Diese lautet: Wird nach einem verlorenen Krieg – nach dem die Schulden nicht zurückgezahlt werden können – von der Regierung ohne Wertdeckung immer mehr Geld gedruckt um eine Wirtschaftsdepression zu vermeiden, wird das Land zwar zunächst die Depression vermeiden können. Es gerät aber zugleich in den Sog der Hyperinflation – Sachwerte und Aktien steigen es werden immer mehr Billionen Papiergeld gedruckt und verteilt, die Anleihen verlieren durch Inflation immer mehr jeden Wert. Nach wenigen Jahren derartiger Inflationspolitik waren in Deutschland auch Billionen Mark weniger wert als der Wert des Rohstoffes Papier, auf dem die Billion als Geldschein gedruckt war.

Nach November 1923 wurde schließlich ein Neuanfang begonnen. Alle Anleihen – auch die Staatsanleihen und damit die Kriegsanleihen aus dem 1. Weltkrieg von vielen kriegsbegeisterten Deutschen – waren durch die Hyperinflation auf Null gesetzt worden. Der Staat und sonstige Kreditnehmer waren insofern schuldenfrei und ein Großteil der Bevölkerung ihrer Ersparnisse beraubt!

US-Notenbankpräsident Bernanke hat zwar seine Doktorarbeit über den Weltwirtschaftscrash 1929 ff. geschrieben und hängt seiner Eingebung an, man hätte damals nur die Geldmenge weiter erhöhen müssen um die einsetzende Depression zu vermeiden. Vielleicht hat sich Bernanke aber möglicherweise nicht mit dem Thema ausreichend auseinandergesetzt. Schließlich ist die Frage zu stellen, warum man Anfang der 30er Jahre zunächst alles mögliche vermeiden wollte, um den Kursverfall an den Börsen und die steigende Arbeitslosigkeit usw. durch Geldmengensteigerung zu vermeiden: Allen Zeitgenossen saß damals einfach das Schicksal Deutschlands vor 10 Jahren mit seiner Hyperinflation 1923 noch in den Knochen. Diesen Ausgang wollte man unbedingt vermeiden.

So dürfte in den USA auf die Kontraktion der Aktienmärkte und Rohstoffpreise nun im Frühjahr 2008 eine Ausweitung der Geldmenge und der Niedrigzinspolitik auch unterhalb der Inflationsrate folgen. Die USA haben schließlich unglaubliche Außenhandelsschulden mit einer Steigerungsrate wie bei einem afrikanischen Entwicklungsland oder vor der Argentinienkrise um 2000. Und eine einkalkulierte Inflationierung des US-$ dürfte diese Auslandsschulden am schnellsten abtragen – am besten per Hyperinflation. Vor die Wahl gestellt dürfte in einer derart verschuldeten Nation wie den USA eine solche Politik mehr Anklang finden als Fürsprecher für eine Rezession, die dann in eine Depression führt. Welcher Politiker will dieses Risiko eingehen? Zumal dem Wählervolk seit Jahrzehnten von Politikern und Notenbankpräsidenten wie Greenspan, Bernanke usw. sowie den von den Finanzinstitutionen hier wesentlich cofinanzierten Massenmedien und Finanzfachmedien derart fehlgehende Grundinformation über Finanz- und Geldanlagen eingeträufelt wurden, dass die grundsätzlichen gesamt- und volks- sowie weltwirtschaftlichen Zusammenhänge seit Anfang der 90er Jahre zunehmend völlig aus dem Blickfeld geraten sind. Man hat sich zunehmend mit Blindheit vor dem drohenden wirtschaftlichen Absturz in Geldillusionen gerettet. Der Markt rollt diese Defizite nun erbarmungslos auf und beginnt, die Ungleichgewichte und Finanzspannungen tsunamiartig auszugleichen.

Wenn nun aber die Notenbank- Regierungs- und Währungspolitiken alle in Richtung Inflationierung der Geldmenge zur Rettung vor einer drohenden Depression gehen , werden Edelmetalle (und tendentiell auch Rohstoffe überhaupt) nach einem gemeinsamen Einbruch mit den anderen Asset-Märkten zunehmend als Fluchthafen erkannt werden. Immer mehr Akteure werden den politischen Willen zur Inflationierung der Geldmenge erkennt und dadurch die Edelmetallpreise massiv ansteigen. Sie sind einer der Rettungsanker in einer Welt expandierender Weltwährungen ohne jede Kurssicherung über reale Werte wie ehemals der Goldstandard. Die Währungssituation entspricht daher großteils weltweit dem Handel mit ungedeckten Schecks. Es hängt wie beim Märchen vom “Kaiser ohne Kleider” alles davon ab, dass die Akteure noch glauben, dass die Schecks gedeckt sind. Sobald der Schwindel – ähnlich der Subprime-Anleihen – auffliegt, glaubt man nicht mehr an den Währungswert.  Mit entsprechendem Hebel im Vergleich zu den Edelmetallen werden dann auch die Edelmetallaktien und Indizes nachziehen, insbesondere auch die Junior-Aktien, in denen besonders viel Edelmetall im Boden günstig zu erwerben ist. Die derzeitigen Kurse im Edelmetallbereich stellen also sehr gute Kaufkurse dar, die im derzeit sehr wirren Crashmarkt-Umfeld zwar noch weiter unterboten werden könnten.

Wer hier aber nicht spekuliert sondern langfristig investiert wird erfolgreich sein. Zuman sowieso kaum einer den optimalen Einstiegspunkt voraussagen kann – zu irrational volatil sind diese Märkte in diesen Panikphasen, in den die Anleger die Spreu nicht mehr vom Weizen  trennten kann. Weltweit erschütternd für viele heute am 21.01.2008 erscheint ist jedenfalls die Tatsache, dass die große Hoffnung geplatzt ist, ein Rückgang der Märkte würde sich auf die USA beschränken und die andren Märkte, speziell die Entwicklungsmärkte wie China Südostasien Südamerika usw. verschonen.

Man sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die großen Devisenreserven in China, Südostasien und Lateinamerika dort auch so genutzt werden können, dass man nationale Wirtschaftsprogramme startet, die statt des bisherigen US- und EU-Exports das Wachstum im eigenen Land stärken und so den Ausfall der erschöpften Konsumenten auf Pump in USA & Co. kompensieren könnten.

Insofern könnten diese Länder tatsächlich ein Stück weit dem jetzt anstehenden Wirtschaftsabschwung entgehen bzw. später am frühesten wieder Fuß fassen können, wenn die dortigen Wirtschaftspolitikmöglichekiten weise gehandhabt werden. Die Chancen stehen hier jedenfalls besser als in den zu reinen populistischen Verteil-Aktionen degenerierten Wirtschaftspolitiken in den USA oder Europa.

Hier fürchtet man sich – bis auf Leute wie US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul – dem Publikum die Wahrheit zu sagen und eine Wende in der Finanz- und Wirtschaftspolitik einzuleiten. Man benötigt offenbar erst die Wahrheit eines Weltwirtschaftscrashs, damit in den bestehenden Demokratien wieder Politiker sich äußern könen und gewählt werden, die Wahrheit, Sparsamkeit und Ehrlichkeit im volks- und einzelwirtschaftlichen Handeln verwirklichen wollen. Das wäre die optimistische Variante. Die Geschichte kennt dagegen einige Fälle – auch das III. Reich – in denen solche weltwirtschaftliche Verwerfungen stattdessen keine rationale Lösungen, sondern irrationale Massenbewegungen, Krieg, Zerstörung und Mythenbildung wie Faschismus oder Peronismus nach sich zogen.

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