Bear Stearns Pleite: Nur die Spitze des Eisbergs

16.03.07 Freitag letzte Woche hat die Finanzkrise Bear Stearns, die fünftgrößte Investmentbank der Wallstreet zur Strecke gebracht. Auch wenn du es schon längst vorher wusstest, dass die Systemkrise das weltweite Finanzsystem und den Dollar als Leitwährung crashen wird: Es ist doch immer noch etwas anderes, wenn sich die Dinge ganz konkret ereignen.

Bei Bear Stearns war es der elektronisch Bankrun. Die Kunden stehen nicht mehr wie in der Weltwirtschaftskrise 1929 ff. in langen Schlangen bei den Banken, wo Kunden ihr Geld abheben wollen. Die Dinge laufen elektronisch im Netz ab, unsichtbarer und extrem schnell. Bevor Finanzer und Anleger aus dem Wochenende zur Arbeit gehen ist Bear Stearns schon an J.P.Morgan für 2 US $ pro Aktie verkauft und die FED, die US-Notenbank springt so mit finanzieller Rückendeckung ein, dass der Investor nicht zittern muss.

J.P.Morgan als große Bankfinanzblase hat also für ein Schnäppchen die kleinere Bankblase Bear Stearns geschluckt. Und die Anlager an der Börse haben offenbar auch am Freitag nicht begriffen, was ihre Aktien überhaupt noch wert waren – am Freitag crasht Bear Stearns von ca. 60 US $ auf ca. 30 US $. Den Anleger war die Aktie am Freitag also noch das 15 fache dessen wert, was J.P.Morgan jetzt bezahlen muss.

Wann kommt jetzt bei J.P. Morgan der Derivate-Crash?

Erstaunlich ist, dass Übernehmer J.P.Morgan im eigenen Bankhaus noch in viel extremeren Verhältnis Sprengstoffmengen lagert als Bear Stearns. Hier liegt ein noch vielfach höheres Derivate-Engagement vor, wie dies aus der amtlichen US-Statistik hervorgeht, die ich hier im Monetenguru ja schon vor ein paar Wochen vorstellte, als erklärt wurde, dass die Statistikwebsite von der US-Regierung zur weiteren Förderung der allgemeinen Finanzamnesie des Publikums nicht mehr fortgeführt wird. Auf die Zahlen bzgl. J.P.Morgan weist ja heute auch der Chefanalyst der Bremer Landesbank hin. Es geht hier um ein Derivate-Engagement in Höhe von rund 7,5 Billionen US $ also einem Umfang in Höhe von fast zwei mal des Jahresbruttosozialprodukts von Deutschland! Jahrelang war von vielen eher der Crash des Kartenhauses des unregulierten internationalen Derivateunwesens erwartet worden – so wies die Bank of International Settlements regelmäßig auf diese Gefahren hin.

Wenn es jetzt zunächst die Subprimes des US-Hypothekenmarkts erwischte und damit Bear Stearns bedeutet das nicht, dass die Gefahrenlage insgesamt nicht auch für J.P.Morgan hochbrisant ist. J.P.Morgan ist nur nicht so sehr von der Immobiliensparte belastet.

Auch Citybank kanns erwischen

Wie James Turk heute schreibt, ist auch bei der Citybank die Frage des Überlebens ungewiss. Das zur Verfügung stehende Eigenkapital deckt nach seiner Rechnung die eingegangenen Verbindlichkeiten mal gerade zu 2,3% ab. Schmieren diese also nur um 2,3% ab, dann ist Citybank eigentlich schon pleite. Nur ist es trotz oder gerade wegen Basel II und anderen Bilanzvorschriften, bzw. Tricks den US-Banken bis heute möglich, weitgehend entwertete Papiere so zu bilanzieren, dass die Insolvenz nicht sichtbar wird. Dazu werden diese einfach außerhalb der Bank-Bilanzen gestellt, bzw. als langfristige Anlagepapiere zum Einstandspreis eingebucht.

Wenn die FED weiter die Banken rettet ist der Dollar nicht zu retten

Selbstverständlich wird zur Verhinderung der Ansteckungsgefahr im Finanzwesen die FED die eigenen Banken raushauen. Und irgendwann werden auch weltweit die Notenbanken und Regierungen zu konzertierten Aktionen kommen – auch um dem galloppierenden Dollarverfall entgegenzutreten.

Das wird längerfristig natürlich wenig bewirken, aber Politiker und Notenbankchefs müssen sich natürlich weiter auf dieser Welttheaterbühne der Finanzmärkte als Schauspieler präsentieren. Außerdem ist der Markt langsam reif für eine Gegenbewegung – spätestens in einigen Wochen. Bis dahin dürfte es noch weitere Finanzinstitute und Hedgefonds erwischen und weitere Panik verbreiten. Dann aber werden alle meinen, dass die Finanzkrise bewältigt werde und die Börse das schon wieder vorwegnimmt, weil in einem halben Jahr die US-Rezession vorbei sei. Die Börsenkurse der Finanzwerte könnten im Rahmen einer Bärenmarkt-Rallye womöglich auf dieser Spätfrühlings- bis Sommerstrecke die Highflyer sein bis etwa kurz nach der Präsidentenwahl. Dann dürfte sich die erneute Erkenntnis frei nach dem Volksmärchen “Der Kaiser ohne Kleider” durchsetzen. Statt dass das Kind sagt “der hat ja gar keine Kleider an” wird es “die sind ja pleite” sagen. Und die kaiserlichen Finanzanalysten werden daraufhin zahlentheoretisch ableiten, warum das von allen öffentlich wahrgenommene Geld-Nichts gar nicht existent ist. Dann wird das Publikum aber vom Glauben abfallen.

Das wiederum dürfte den Endspurt in Hyperinflation oder Depression einleiten, was die systematische globale Geldmengeninflation der letzten Jahrzehnte dann aus dem System verdrängt. Dann steht entweder der Dow Jones bei 1.000 $ wie Gold oder Gold kommt zum Dow Jones – sei es bei 10.000, 100.000 oder 1 Billion. Und womöglich wird man dann in den USA die Hyperinflation vorziehen und so die totale Entschuldung speziell auch hinsichtlich der internationalen Zahlungsverpflichtungen vollziehen.

2 Reaktionen zu “Bear Stearns Pleite: Nur die Spitze des Eisbergs”

  1. Gerhard

    Danke für diesen Beitrag, der voll und ganz meiner Meinung entspricht.
    Wenn die Bevölkerung den Glauben an unser Finanzsystem verliert, sind unsere Banken nicht mehr zu retten.
    Ich habe hierzu ein kleines kostenloses Ebook verfasst: http://www.krisenvorsorge.com/krisenratgeber/index.html das genau auf diese kommende Problematik eingeht.
    Es geht dabei nicht nur um die Frage der Geldanlagen, sondern vor allem auch um die persönliche Krisenvorsorge.
    In Zeiten von Just in Time kann unser System sehr schnell zusammenbrechen.

  2. Chef der US-Finanzaufsicht SEC wird abgelöst » Beitrag » Investments und Geldanlagen - Blog

    [...] Mary Shapiro soll das ganze sinkende Schiff nun am Ruder reißen und wieder auf den richtigen Weg bringen – als unabhängige Behörde, die wirklich als Börsenaufsicht arbeitet und nicht als Handlanger für Betrügereien. Denn Cox war nicht nur wegen des Falles Madoff in die Kritik geraten, sondern vor allem auch wegen des Verhaltens der SEC vor dem Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns. [...]

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