US-Häuslebauer-Schuldenkrise: Staatliche Schuldenübernahme kommt

22. Februar 2008

22.02.08 Wie die Washington Post heute schreibt, distanziert sich die Politik derzeit noch von den Vorschlägen der Lobbyisten, wie man die überschuldeten US-Häuslebauer durch Staatsübernahme der Schulden, staatliche Umschuldungsprogramme, usw. Aber die Banken und ihre Lobbyisten bearbeiten schon die Politiker.

Ich würde die Situation wie folgt einschätzen: Die gegenwärtige Preisinflation droht massiv zuzunehmen, wenn die FED weiterhin massiv die Leitzinsen senkt. Zugleich entlastet dies aber nicht den Finanzsektor, denn die Banken haben weniger ein Problem mit der Zinshöhe sondern viel mehr ein Problem mit der Liquidität, weil ihnen wegen der Hypothekenkreditkrise immer weniger Geld geliehen wird oder nur zu sehr hohen Zinsen, so dass die FED-Zinssenkungen wegen der Kreditstrukturkrise hier verpuffen während sie die Preisinflation vorantreiben.

Wenn die FED durch Zinssenkungen allein das Hypothekenproblem nicht in den Griff bekommen kann, muss letztlich der Staat eingreifen und mit direkten Finanzspritzen gezielt in den Immobilienbereich eingreifen.

Denn die Kreditkrise ist ja noch keinesfalls vorbei, sie fängt erst an: Gerade jetzt im Frühjahr bis zum Sommer steht ein Riesenberg an Umschuldungen bei den ARM, den Adjustable Mortgage Rates, den Hypothekenkrediten der Häuslebauer an, die dann für ihre Kredite Marktpreise zahlen müssen, die häufig mehrfach höher sind als das, was sie bisher monatlich zahlen mussten. Millionen der blanken US-Haushalte nicht nur im Subprime-Segment werden dann die Kreditraten nicht zahlen können.

Dabei dürfte der jetzt anstehende Schub neuer zahlungsunfähiger US-Hausbesitzer bei den Banken, Hypotheken-Kredit-Versicherungsgesellschaften, usw. zu neuen Wertberichtigungen bei den Quartalsbilanzen im Bereich von hunderten Milliarden Dollar zusätzlicher Verluste führen. Schließlich ist anzunehmen, dass die Banken nicht gleich für die Zukunft Kreditzahlungsausfälle in die Bilanzen hereinnehmen, da die Schuldner derzeit ja noch zahlungsfähig sind.

Die schlimmsten Zeiten für das zusammenfallende Kartenhaus der US-Hypothekenkredite, für darauf aufbauender Kredit-Derivate und sonstige weltweite Domino-Effekte steht also noch bevor.

Also wird nicht nur die FED weiter die Kreditzinsen senken (mit dem ständigen Problemszenario, dass dadurch der Dollarverfall so sehr begünstigt wird, dass schließlich eine Kapitalmassenflucht in andere Währungen die US-Zinsen massiv nach oben treibt und dadurch die US-Kreditkrise und Rezession verschlimmert statt eindämmt).

Es wird also auch die Politik intervenieren – gerade vor den Präsidentschaftswahlen – da sich fast jeder populistisch gerieren wird, um sich damit sowohl bei den Häuslebauern als auch bei den Finanzbranche (Partei- und Wahlkampfspenden) weiter beliebt zu machen.

Die Folge dürfte eine Vergrößerung der US-Staatsverschuldung um weitere hunderte Milliarden Dollar sein. Die Schuldenkrise wird von den Privatbanken auf den Staat übertragen mit negativen Auswirkungen auf den US $ (weiter fallendes Vertrauen in den US $ als Welt-Leitwährung) und die US-Preisinflation. Beides dürfte dann die Flucht in reale physische Werte (Rohstoffe, speziell Edelmetalle) weiter vorantreiben.

HUI zu Goldpreis im Verhältnis zum Zinsspread bei Anleihen

22. Februar 2008

21.02.2008 Einen aufschlussreichen Beitrag zur Prognose für die Kurse der Edelmetallaktien hat meines Erachtens Saville geleistet. Die Analyse kommt zum Ergebnis, dass in Kürze die Edelmetallaktien im Verhältnis zum Goldpreis stark anziehen dürften. Seville vergleicht zwei Charts im Zeitraum 2003 bis 2008:

a) der Chartverlauf des Quotienten der 30 Jährigen US-T-Bonds dividiert durch die 5-Jährigen T-Bills und

b) der Chartverlauf des Quotienten des Goldaktienindex HUI zum Goldpreis.

Feststellbar ist dabei, dass diese Quotienten sich recht synchron zueinander verhalten, wenn man den Chart von b) bei der Zeitachse einige Monaten vorverlegt. Ergebnis: Verbilligen sich die 5 jährigen T-Bills gegenüber den 30 yr T-Bonds dann steigt auch der HUI im Verhältnis zu Gold. Erhöhen sich die 5 yr T-Bills gegenüber den 30 yr T-Bonds, dann stagniert der Hui in Relation zum Goldpreis.

Diese Beobachtung sollte man nicht gleich als Zufallsprodukt abtun: Denn mit steigendem Goldpreis sollte eigentlich der Kurs des Goldaktienindex HUI überproportional steigen – schließlich erhöhen sich prinzipiell die potentiellen Gewinne der Goldminen überproportional im Verhältnis zum gestiegenen Goldpreis.

Der HUI/Gold-Quotient wird jedoch offenbar stark durch die Zinsen für Anleihen am langen Ende im Verhältnis zu den am kürzeren beeinflusst. Als seit 2001 von der FED die Zinsen massiv gesenkt wurden stieg nicht nur der Goldpreis sondern noch viel mehr der Goldaktienindex. Ab 2003 stagnierte dann das Verhältnis HUI / Gold trotz weiter steigendem Goldpreis, weil die FED die Zinsen wieder erhöhte. Nun ist aber seit Sommer 2007 eine zunehmende Zinssenkung der FED im Gange um die Finanzmärkte, Banken, Versicherungen, usw. durch billiges Geld vor einem massiven Absturz zu bewahren.

Saville geht davon aus, dass diese erneute Verbilligung der US-Staatsanleihen kürzerer Laufzeiten im Verhältnis zu denen mit längeren Laufzeiten wiederum besonderen Schub in die Edelmetallaktienkurse bringen wird. Dadurch sollten diese in Kürze beginnen, die zwischen 2006 bis Anfang 2008 erheblich gestiegene Preisentwicklung für physische Edelmetalle einzuholen und womöglich wieder zu überholen. Allerdings mit einer entsprechenden Verzögerung von einigen Monaten – also dann, wenn die Zinssenkungen der FED sich auch wirtschaftlich auswirken.

Dies entspricht in etwa wohl auch der Prognose von Dr. Gloom & Doom, dem Oracle von Chiang Mai, konkret von Marc Faber, der einen Stand des HUI Ende 2008 von rund 350 prognostiziert – also fast eine Verdopplung erwartet.

Ein Investment in Goldminenaktien könnte also gerade jetzt womöglich lohnenswert sein.

breakdown_de des Brokers bei Börsenturbulenzen

18. Februar 2008

Wenn es an der Börse hoch her geht – sprich eine Verkaufspanik ausbricht – steht oft auch der Server des Online-Brokers still. Die Server sind durch das Publikum völlig überlastet und der Zugriff nicht mehr möglich.

Wenig tröstlich ist in solchen typischen Situationen beispielsweise auch die PDF-Seite mit dem Seitentitel “breakdown_de”, die CortalConsors auf www.cortalconsors.de während der Verkaufspanik am 21. Januar 2008 dem Publikum vorgestellt hat. Wenn schon niemand auf die Website kommt, dann kann man sich gut vorstellen, wie in solchen Situationen auch der telefonischer Kontakt zu einer Art Lotteriegewinn beim Wertpapierhandel wird.

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Das große Blinde Finanz-Kuh Spiel: US-Finanz-Statistik-Website gestoppt

18. Februar 2008

Es ist fast unglaublich, in welchem Ausmaß inzwischen in den USA die Regierung die Informationen über grundlegende Wirtschaftsdaten der USA verhindert.

Kürzlich wurde schon aus angeblichen “Kostengründen” die Veröffentlichung der volkswirtschaftlich besonders bedeutsamen M3-Geldmengenstatistik eingestellt wurde – die eine inflationistische jährliche Steigerung von 12 – 15% erreichte. Das Kostenargument wegen ein paar Millionen US $ ist absurd: Schließlich scheut man nicht davor zurück, den US-Haushalt um dreistellige Milliardenbeträge aufzublähen und entsprechend Geld zu drucken, irrwitzige Schulden zu machen, damit der Bürger mehr konsumiert und weiter Luft in die löchrige Kreditblase gepumpt wird.

Auf dem Ende der US-M3-Geldmengenstatistik wird jetzt zum 01.03.2008 das Ende der offiziellen Website des US-Finanzministeriums für die US-Wirtschaftsindikatoren auf http://www.economicindicators.gov – denen die US-Regierung nun ebenfalls “aus Budgetgründen” das Lebenslicht ausgeblasen. Auf dieser Website wurden bislang u.a.  wesentliche US-Statistiken wie Bruttosozialprodukt, Großhandel, Investitionsgüter, Einzelhandel, Industrieproduktion und -Lagerbestände, Bauwesen, Außenhandelsbilanz, usw. veröffentlicht.

ob Kirby weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass davon auch die Quartalsstatistiken der US-Finanzinstitute und ihres Engagements bei den Derivaten betroffen sind und die auf economicindicators.gov für das III. Quartal publizierten Zahlen zu J.P. Morgan sehr bemerkenswert sind: J.P. Morgan weist in Table 12 einen Rekord von 7,778 Billionen US $ (!) – in USA Trillionen genannt – an aufgehäuften Kreditderivaten aus. Die schwer von den gleichen Kreditderivaten schwer auch chartechnisch angeschlagene Citybank verzeichnet in der gleichen  Tabelle auf Platz 2 “nur” knapp über 3 Billionen US $ Kreditderivate aus – also weit weniger als die Hälfte. Warum ist aber die Citybank faktisch fast pleite und kann nur noch durch Finanzspritzen überleben während J.P. Morgans Aktienkurs bisher trotz der viel höheren Kreditderivate-Engagements von der globalen Finanzkrise nahezu unbeeinflusst blieb?

Hier verweist Kirby auf die gesetzliche Möglichkeit des US-Präsidenten, jeweiligen US-Konzernen zu erlauben ihre Bilanzen aus Gründen der nationalen Sicherheit zu verschleiern. Präsident Bush hatte dieses Recht am 5. Mai 2006 an seinen Sicherheitschef Negroponte delegiert. Kirby vermutet, dass die Schließung der genannten Website des US-Finanzministeriums damit zu tun haben könnte, dass man diese befremdlichen Derivatebilanzierungen verdunkeln will.

Panik auf der Titanic: Depression oder Hyperinflation?

21. Januar 2008

21.01.2008

Nach einem kontinuierlichen Abgleiten der Börsenindizes seit Jahresanfang 2008 setzte heute angefangen in Asien die Panik auf der Titanic ein. Die Abstürze der jeweiligen nationalen Aktienindizes betrug etwa zwischen knapp 4% (Japan) bis über 7% (Indien, Deutschland u.a.). In den USA waren die Börsen feiertagsbedingt geschlossen. Versagten hier etwa die kursmanipulativen Möglichkeiten des präsidial eingesetzten “Plunge Protection Teams”?

Die Forex-Kurse vom 21.01.08 zeigen, dass ein Großteils des Crashs offenbar von den Yen-Carry-Tradern und dieses Vehikel nutzenden Hedge-Funds verursacht ist: Die Rückführung von ausgeliehenen Yen-Krediten, die in Hochzinsländern wie Australien, Neuseeland usw. angelegt wurden betrug bis zu über 3% Kurssteigerungen zum Australdollar oder Kiwi. Was bisher durch gehedgte Risikoübernahme durch Hedge-Fonds kontinuierlich nach oben strebte stürzt nun umso krasser wieder in sich zusammen. Sind die Margins der Hedger überschritten fordern die Banken die Kredite zurück und es setzen plötzlich Asset- und Währungsverkäufe unter dem Motto “Rette sich wer kann” ein, was sich wiederum in den Währungskursen massiv niederschlägt. Achtung: Rund 1,5 Billionen Dollar sind in solchen Carry-Trades gespeichert. Bricht dieser “Kredit-Wolkenkratzer” aus Yen-Carry-Trades zusammen, entstehen entsprechende Panikverkäufe, da die Banken ihre Kredit-Margins zur Rpückzahlung zurückfordern, bevor sie selbst vor dem Konkurs stehen.

Es ist erstaunlich, wie lange die Banken und die Finanz- und Aktienmärkte überhaupt den Zusammenbruch des Super-Kredit-Zyklus noch überlebt haben. Nun setzt endlich die Kontraktion wegen des offenbar eingetretenen Vertrauensverlusts in die Kontrollierbarkeit der Ereignisse durch Notenbanken und Regierungen ein. Man traut weder Bush, US-Notenbankpräsident Bernanke noch sonstigen Notenbanken und Politkern ein.

Allerdings rennt die Hammelherde der Investoren, Fonds usw. derzeit in die falsche Richtung. Natürlich entstehen viele Kurse bei Aktien, Währungen, Rohstoffen und Anleihen derzeit einfach durch nackte Verkaufszwänge, die bei vielen Investoren derzeit auch die Liquidation von Assets in Gang setzen, die garnicht aus den eigentlichen Verlustbringern bestehen, sondern einfach noch bestehende Vermögenswerte ausmachen, die zur Kreditdeckung sofort zurückzuzahlen sind.

So wundert auch nicht, das von diesen Panikmärkten kurzfristig auch Edelmetalle, Edelmetallaktien oder Rohstoffe und Rohstoffaktien betroffen sind. Allerdings werden diese sich über kurz oder lang überproportional überholen, da diese Assets zu den Rettungsringen gehören, an denen sich die ersaufenden Investoren festhalten können.

Die Reaktion auf die Investorenpanik von heute in Richtung Depression wird US-notenbankpolitisch von Mr. Bernanke, Mr. Bush, aber auch den Demokraten und Republikanern (bis auf den republikanischen Präsidentschaftskandidat Ron Paul) klar die Flutung der Finanzmärkte durch Dollarmultiplikation sein: Es winken quasi-Kaufgutscheine für den US-Verbraucher zur Wirtschaftsbelebung und massive Senkungen der Leitzinsen. Man sollte nicht vergessen, dass der Großteil der US-Wahlkampfinanzierung von Hedgefondds, der Finanz- und der Rüstungsindustrie sowohl an führende Republikaner wie Demokraten-Kandidaten betrieben wird: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing! Und diese Kräfte wollen sicher keine fallenden Aktienkurse, sondern notfalls eher zur Wirtschaftsbelebung einen Iran-Krieg – schließlich ist dem mit Hypotheken- Kreditkarten- und Auto- und sonstigen Verbraucher-Krediten bis an den Rand zugequetschten US-Verbraucher nicht mehr viel zuzutrauen. (Denn möglicherweise macht er es wie in Japan vor ein paar Jahren in der Rezession: Die Regierung verteilt an die Bevölkerung Kaufgutscheine, damit diese Konsumgüter kaufen. Diese legt aber das damit ersparte eigene Geld lieber an und die angestrebte Wirkung verpufft.)

Führt Vermeidung der Weltwirtschaftskrise 1929 zur Hyperinflation à la 1923 Deutschland Weimarer Republik?

Es ist bemerkenswert, wie deutsche Investoren auf die derzeitige Entwicklung der Finanzmärkte reagieren: Sie sind weltweit Haupterwerber neu geprägter Silbermünzen, die teilweise mehrheitlich nach Deutschland importiert werden. Sie horten überproportional physische Edelmetalle. Einem Teil der deutschen Investoren stecken offenbar die Erfahrungen mit der Hyperinflation in der Weimarer Republik in den Knochen. Diese lautet: Wird nach einem verlorenen Krieg – nach dem die Schulden nicht zurückgezahlt werden können – von der Regierung ohne Wertdeckung immer mehr Geld gedruckt um eine Wirtschaftsdepression zu vermeiden, wird das Land zwar zunächst die Depression vermeiden können. Es gerät aber zugleich in den Sog der Hyperinflation – Sachwerte und Aktien steigen es werden immer mehr Billionen Papiergeld gedruckt und verteilt, die Anleihen verlieren durch Inflation immer mehr jeden Wert. Nach wenigen Jahren derartiger Inflationspolitik waren in Deutschland auch Billionen Mark weniger wert als der Wert des Rohstoffes Papier, auf dem die Billion als Geldschein gedruckt war.

Nach November 1923 wurde schließlich ein Neuanfang begonnen. Alle Anleihen – auch die Staatsanleihen und damit die Kriegsanleihen aus dem 1. Weltkrieg von vielen kriegsbegeisterten Deutschen – waren durch die Hyperinflation auf Null gesetzt worden. Der Staat und sonstige Kreditnehmer waren insofern schuldenfrei und ein Großteil der Bevölkerung ihrer Ersparnisse beraubt!

US-Notenbankpräsident Bernanke hat zwar seine Doktorarbeit über den Weltwirtschaftscrash 1929 ff. geschrieben und hängt seiner Eingebung an, man hätte damals nur die Geldmenge weiter erhöhen müssen um die einsetzende Depression zu vermeiden. Vielleicht hat sich Bernanke aber möglicherweise nicht mit dem Thema ausreichend auseinandergesetzt. Schließlich ist die Frage zu stellen, warum man Anfang der 30er Jahre zunächst alles mögliche vermeiden wollte, um den Kursverfall an den Börsen und die steigende Arbeitslosigkeit usw. durch Geldmengensteigerung zu vermeiden: Allen Zeitgenossen saß damals einfach das Schicksal Deutschlands vor 10 Jahren mit seiner Hyperinflation 1923 noch in den Knochen. Diesen Ausgang wollte man unbedingt vermeiden.

So dürfte in den USA auf die Kontraktion der Aktienmärkte und Rohstoffpreise nun im Frühjahr 2008 eine Ausweitung der Geldmenge und der Niedrigzinspolitik auch unterhalb der Inflationsrate folgen. Die USA haben schließlich unglaubliche Außenhandelsschulden mit einer Steigerungsrate wie bei einem afrikanischen Entwicklungsland oder vor der Argentinienkrise um 2000. Und eine einkalkulierte Inflationierung des US-$ dürfte diese Auslandsschulden am schnellsten abtragen – am besten per Hyperinflation. Vor die Wahl gestellt dürfte in einer derart verschuldeten Nation wie den USA eine solche Politik mehr Anklang finden als Fürsprecher für eine Rezession, die dann in eine Depression führt. Welcher Politiker will dieses Risiko eingehen? Zumal dem Wählervolk seit Jahrzehnten von Politikern und Notenbankpräsidenten wie Greenspan, Bernanke usw. sowie den von den Finanzinstitutionen hier wesentlich cofinanzierten Massenmedien und Finanzfachmedien derart fehlgehende Grundinformation über Finanz- und Geldanlagen eingeträufelt wurden, dass die grundsätzlichen gesamt- und volks- sowie weltwirtschaftlichen Zusammenhänge seit Anfang der 90er Jahre zunehmend völlig aus dem Blickfeld geraten sind. Man hat sich zunehmend mit Blindheit vor dem drohenden wirtschaftlichen Absturz in Geldillusionen gerettet. Der Markt rollt diese Defizite nun erbarmungslos auf und beginnt, die Ungleichgewichte und Finanzspannungen tsunamiartig auszugleichen.

Wenn nun aber die Notenbank- Regierungs- und Währungspolitiken alle in Richtung Inflationierung der Geldmenge zur Rettung vor einer drohenden Depression gehen , werden Edelmetalle (und tendentiell auch Rohstoffe überhaupt) nach einem gemeinsamen Einbruch mit den anderen Asset-Märkten zunehmend als Fluchthafen erkannt werden. Immer mehr Akteure werden den politischen Willen zur Inflationierung der Geldmenge erkennt und dadurch die Edelmetallpreise massiv ansteigen. Sie sind einer der Rettungsanker in einer Welt expandierender Weltwährungen ohne jede Kurssicherung über reale Werte wie ehemals der Goldstandard. Die Währungssituation entspricht daher großteils weltweit dem Handel mit ungedeckten Schecks. Es hängt wie beim Märchen vom “Kaiser ohne Kleider” alles davon ab, dass die Akteure noch glauben, dass die Schecks gedeckt sind. Sobald der Schwindel – ähnlich der Subprime-Anleihen – auffliegt, glaubt man nicht mehr an den Währungswert.  Mit entsprechendem Hebel im Vergleich zu den Edelmetallen werden dann auch die Edelmetallaktien und Indizes nachziehen, insbesondere auch die Junior-Aktien, in denen besonders viel Edelmetall im Boden günstig zu erwerben ist. Die derzeitigen Kurse im Edelmetallbereich stellen also sehr gute Kaufkurse dar, die im derzeit sehr wirren Crashmarkt-Umfeld zwar noch weiter unterboten werden könnten.

Wer hier aber nicht spekuliert sondern langfristig investiert wird erfolgreich sein. Zuman sowieso kaum einer den optimalen Einstiegspunkt voraussagen kann – zu irrational volatil sind diese Märkte in diesen Panikphasen, in den die Anleger die Spreu nicht mehr vom Weizen  trennten kann. Weltweit erschütternd für viele heute am 21.01.2008 erscheint ist jedenfalls die Tatsache, dass die große Hoffnung geplatzt ist, ein Rückgang der Märkte würde sich auf die USA beschränken und die andren Märkte, speziell die Entwicklungsmärkte wie China Südostasien Südamerika usw. verschonen.

Man sollte sich allerdings im Klaren sein, dass die großen Devisenreserven in China, Südostasien und Lateinamerika dort auch so genutzt werden können, dass man nationale Wirtschaftsprogramme startet, die statt des bisherigen US- und EU-Exports das Wachstum im eigenen Land stärken und so den Ausfall der erschöpften Konsumenten auf Pump in USA & Co. kompensieren könnten.

Insofern könnten diese Länder tatsächlich ein Stück weit dem jetzt anstehenden Wirtschaftsabschwung entgehen bzw. später am frühesten wieder Fuß fassen können, wenn die dortigen Wirtschaftspolitikmöglichekiten weise gehandhabt werden. Die Chancen stehen hier jedenfalls besser als in den zu reinen populistischen Verteil-Aktionen degenerierten Wirtschaftspolitiken in den USA oder Europa.

Hier fürchtet man sich – bis auf Leute wie US-Präsidentschaftskandidat Ron Paul – dem Publikum die Wahrheit zu sagen und eine Wende in der Finanz- und Wirtschaftspolitik einzuleiten. Man benötigt offenbar erst die Wahrheit eines Weltwirtschaftscrashs, damit in den bestehenden Demokratien wieder Politiker sich äußern könen und gewählt werden, die Wahrheit, Sparsamkeit und Ehrlichkeit im volks- und einzelwirtschaftlichen Handeln verwirklichen wollen. Das wäre die optimistische Variante. Die Geschichte kennt dagegen einige Fälle – auch das III. Reich – in denen solche weltwirtschaftliche Verwerfungen stattdessen keine rationale Lösungen, sondern irrationale Massenbewegungen, Krieg, Zerstörung und Mythenbildung wie Faschismus oder Peronismus nach sich zogen.

Inflation als Grund der China-Aktienblase

23. Oktober 2007

Wer sich die exponentiellen Steigerungsraten der chinesischen Börsen anschaut mag sich über das Spekulationsfieber wundern. Der Hauptgrund ist jedoch, dass die Zinsen auf den chinesischen Konten weit unter der Inflation liegen. Nach Business Week gabs im August 2007 bei der Bank 3,3% Zinsen während die offizielle Inflation der letzten 12 Monate im Juli 2007 bereits bei 5,6% lag. und die Inflation stieg weiter auf 6,5% im August, bzw. 6,2% im September. Sieht man, dass gerade kleine Einkommen besonders inflationär belastet werden (Lebensmittel +15%), ist die “gefühlte” Inflation erheblich höher als die offizielle – der man ja sowieso beim CPI (consumer price index) immer misstrauen sollte. Zusätzlich misstraut man in China den Banken. Diese sind großteils extrem überschuldet, da sie völlig unrentable Staatsfirmen per ordre de mufti aushalten müssen.

Die sparentschlossenen Chinesen (Sparquote über 40%) wandeln daher möglichst viel Cash in Assets wie Aktien oder Immobilien um. (Seit kurzem wurde auch der Goldmarkt wieder etabliert, so dass auch Edelmetalle zukünftig dort verstärkt als Anlageform genutzt werden dürften, speziell wenn der Aktienmarkt irgendwann zusammenbricht). Die Geldströme schießen jedoch weiterhin wohl primär in Aktien und Immobilien. Und die schon ins Irreale hochschießenden Kurse und Immobilienpreise bestätigen scheinbar nur wiederum den Anlegern – die ja seit Jahrzehnten der Abstinenz völlig unerfahren sind – dass sie hier richtig liegen.

Die Regierung bemüht sich derzeit um Kontrolle der inflationären Entwicklung durch wiederholte Erhöhung der Leitzinsen, was dem Phänomen aber offenbar keinen Abbruch tun, zumal die jährliche Erhöhung der Geldmenge im 20% Bereich liegt. Sollte es später zur Hyperinflation kommen, werden nicht die Kurse abstürzen, sondern der Geldwert, den die Kurse repräsentieren.

Auf jeden Fall wird über die extremen Preissteigerungen der Rohstoffe viel Inflation importiert. Zusätzlich sind sehr hohe Lohnsteigerungen zu registrieren, da im qualifizierteren Segment zunehmend Arbeiter und Angestellte fehlen.

Womöglich hat China jedoch mehr Optionen für wirtschaftliche Steuerungsoptionen als beispielsweise die USA, wohin von China sowieso nur noch 20% der Exporte gehen. Es ist durchaus gut vorstellbar, dass China mit den Rohstoffländern bestens Handelsbeziehungen pflegt, indem dorthin industrielle Ware exportiert und im Gegenzug von dort Rohstoffe importiert werden und ein wirtschaftlicher Kollaps der USA (möglicherweise nach Iran- und Irakkrieg) insofern (theoretisch) von China gut verkraftet werden könnte. Schließlich verfügt man über 1,2 Billiarden US $ an Währungsreserven, die strategisch mehr und mehr in Rohstoffe und andere harte Assets (Firmenbeteiligungen, usw). gewandelt werden. Mit diesen Aussenhandelsüberschüssen könnten durchaus Durststrecken überwunden werden, beispielsweise indem man kompensatorisch die Inlandsnachfrage fördert.